Vorweg: Das Buch ist erhältlich über den VFS, Friedensgarten 5 C, 02627 Pommritz, Kontakt über Uwe Wilhelm Haspel - uwewhaspel@yahoo.de , als freiwilliger Beitrag sind wir dankbar für die reinen Herstellungskosten einschließlich Versand 11 Euro, zusätzliche Spenden für unsere gemeinnützige Vereinsarbeit sind uns herzlich willkommen;

Gebrauchsanweisung für dieses Buch

Bei einigen Lesenden gehe ich davon aus, daß nur ein Teil des
Inhalts für sie von Interesse ist.

Ein anderer Teil mag sich erst einem bestimmten Thema widmen, und dann zwischen verschiedenen Kapiteln hin- und herspringen.

Im Buch habe ich die unterschiedlichen Themen und Lebensbereiche abwechselnd beschrieben, bewußt auf logisch begründbare Ordnung verzichtet. Quasi „von der Leber weg“ habe ich Kapitel für Kapitel aneinandergereiht, und das „Gesamtbild“ wachsen und sich formen lassen. Mir persönlich gefällt gerade die bunte Mischung, Durchflechtung und das teils Nebeneinanderstehen von stark unterschiedlichen Teilen der Geschichte.

Im Folgenden findet Ihr einige Hinweise auf wichtige thematische Stränge mit Kapitelangabe:

Kapitel 1 ist als Einführung und Umreißung der Konturen des „Bilds“ gedacht.

Grundlagen über Schenkerbewegung, unsere Projekte und den Verein zur Förderung des Schenkens findet Ihr gesondert – in den Anhängen 1 – 8.

Eine Literaturliste am Ende des Buchs weist auf Vertiefendes in sämtlichen Themenbereichen.

Soziale Prozesse einschließlich Gemeinschaftsentwicklungen beschreibe ich vornehmlich in Kapitel 1 – 4, 10, 11.

Über Vereinsleben mitsamt Organisatorischem und Psychodynamik schreibe ich in Kapitel 5.

Kapitel 9 und 10 sind sehr persönlich gehalten, viele Dinge davon möglicherweise nur für Innenseiter (auf deutsch „Insaidr“) interessant.

Diejenigen, welche vornehmlich mit idealistischem Interesse ans Buch gehen, seien die Kapitel 5, 11 und die Anhänge genannt. In Kapitel 5 gehe ich auch auf Wurzeln und Vorbilder der Schenkerbewegung näher ein.

Für die „Praktiker“, die mit Feuer und Flamme an Selbstversorgung und auch gesundheitliche Eigenständigkeit und Selbsthilfe herangehen seien Kapitel 2, 6, „Artabana“ in Kapitel 9 und Anhang 9 angeraten.

Spirituelle Aspekte und Erfahrungen findet Ihr in Kapitel 7 und meinem Pilgerbericht in Kapitel 11.

Nun komme ich mir vor wie in einem Lokal mit Speisekarte. Wenn schon so, dann empfehle ich zur Lektüre als Getränk ein Glas Quellwasser. Na gut, im Winter und an kalten Tagen darf es gerne auch Kräutertee sein. Meinetwegen, auch ich trinke es oft, sei es Leitungswasser.
Scherz beiseite – ich sage noch als persönliche Ergänzung zum Inhalt des Buches: Ich vertraue darauf, daß das Richtige und die richtigen Leute schon zusammenfinden.

Anders gesagt ist für mich wieder einmal der Vergleich mit meinem Garten punktgenau passend: Ich plane und säe und pflege – und vertraue - und in den ganzen zehneinhalb Jahren ist er jedes Jahr wieder anders schön und fruchtbar gewesen.

Deswegen sei egal, was genau bei dem Buch herauskommt – ich habe genügend Vertrauen, daß das bewirkt wird, was wirklich wichtig ist.


Der Autor


 


 

Inhaltsverzeichnis

Autobiographie 3

Widmung 5

Danksagung 6

Vorwort von Öff!Öff! 12

Bemerkung des Autors zum Vorwort 29

Vorspann vom Autor 31

Gebrauchsanweisung für dieses Buch 36

Der Grundsatztext von Uwe Wilhelm Haspel 38

1.Der Beginn radikal neuer Wege... 40

Der große Donnerschlag und das Erwachen 40

Einstieg in die große Gemeinschaft „Lebensgut“ 42

Bekanntschaft mit Tamura - Einzug in den Friedensgarten
und Eintritt in die Schenkerbewegung 46

Kennenlernen der Dargelützer Projekte – Eintritt in den VFS 51

Gemeinsame Projektgestaltung im Friedensgärtle 54

Exkurs über „Einfaches Leben“ 61

Meine Sozialisation in Pommritz 68

Neue Wege im Freundes- und Bekanntenkreis –
viele Abschiede, einige erfreuliche Weiterentwicklungen 73

2.Alltag und neue Erfahrungen 76

Wegbegleiter im Friedensgarten - Gemeinschaftsleben 76

Hygiene bei uns 85

Erfahrungen mit Gästen 90

Ein Tag im Leben eines Friedensgärtners 91

Der Friedensgarten 92

Ein Tag im Leben eines Friedensgärtners 98

Wir kommen in die Medien 102

Unser“ Verhältnis zum Lebensgut 104

Öffis Weg vom geplanten „Fasten bis zum Tode“
zum Brennessel-Essen 115

3.Wahlfamilie Schenkerbewegung 117

Liebe im Friedensgarten 117

Hardy, unser neuer Mann in Dargelütz 120

Johanna, die Schenkertochter 127

Einsatz für ein kolumbianisches Friedensdorf 129

Beginn der „Waldfamilien-Geschichte“
und großer Krach „2005“ 132

Spaltung der Schenkerbewegung – Gründung des FdSB 135

Wiederannährung der Fronten und Friedensschluß 138

Abschied von Tamura 140

4.Neue Zeiten im Friedensgarten und in Dargelütz 144

Allein mit dem Friedensgärtle 144

Gründung eines spirituellen Zentrums 146

Projektaufbau in Dargelütz 148

Dargelützer Gemeinschaft – Erfolge und Schwierigkeiten 155

Konfliktübung intern 161

Weitere Dargelützer Entwicklung – Rasputin und Steffis
Hochzeit und Auszug 165

5.Idealistisches und Vereinsleben 169

Kommunikation in SB und dem VFS 169

VFS – mehr zu unseren Versammlungen – Konsenskultur -
Veranstaltungen 174

Des einen Freud, des anderen Qualm –
Rauchen und Alkohol in SB 181

Vorbilder, Austauschpartner und Wegbegleitende 183

Freundschaft mit Öffi 197

Für alle Pommritzer: 204

Stellungnahme von Öff!Öff! (Jürgen Wagner) zu den
laufenden Medienberichten 205

6.Ernährung in SB 217

Einführung 217

Ernährung – Selbstversorgung im FG 226

Resteverwertung durch „Containern“ 243

Trinkwasser 246

Gesunde Eßweise“ 248

Was ist für „Gesunde Ernährung“ aus möglichst
ganzheitlicher Sicht wichtig? 249

7.Spiritualität 257

Yoga – Frieden mit mir, Gott und dem Leben 257

Es ist nichts, was nicht Gott ist!“ -
spirituelle Tänze und Gesänge 273

8.Provokationen von außen - Konfrontation mit der herkömmlichen Medienkultur 279

Wichtige Information zu Berichterstattung über die
Schenkerbewegung 290

Beitrag von Uwe Wilhelm Haspel: 292

Kommentar vom VFS zur Informationskultur 293

9.Der Mensch Uwe 295

Uwe als Liebhaber 295

Uwe als Naturheilarzt 305

Meine eigene Gesundheit 310

Artabana – ein Modellbaustein eines ganzheitlich
nachhaltigen Gesundheitssystems 320

Die Einsamkeit auf dem Weg 323

10.Meine Weggefährtinnen und Weggefährten 329

11.Der Bogen nähert sich dem Ende 349

Wie es im Friedensgarten weiterging –
Gemeinschaftsanläufe 2009 349

Entwicklung des VFS intern und in der Außendarstellung 355

Erklärung der politischen und wirtschaftlichen
Eigenständigkeit 359

Die Ära der Rundbriefe beginnt 373

Pilgerschaft in meiner schwäbischen Heimat –
eine Erfahrung der besonderen Art 379

Weiter geht es in unserer Geschichte –
Rundbriefe Teil 2 (von 2012) 396

Rundbriefe Teil 3 – Start ins Jahr 2013 405

Anhang 1
Kurzdarstellung der Schenkerbewegung 424

Anhang 2
Die Schenkerbewegung – Geschichte und aktueller Stand 426

Anhang 3
Methoden in Schenkerbewegung 431

Anhang 4
Der Verein zur Förderung des Schenkens e.V. - VFS e.V. 434

Anhang 5
Annonce der Schenkerbewegung:„Freie Plätze für Mitlebende!“ 436

Anhang 6
Unser Projekt „Friedensgarten“ in der Lausitz/ Sachsen 441

Anhang 7
Zwei Anschreiben für Öffentlichkeitsarbeit: 444

Anhang 8
Anschreiben „Anregung zu regionaler Vernetzung“ 448

Anhang 9
Entwurf eines ganzheitlich nachhaltigen Gesundheitssystems – Interview mit Uwe Wilhelm Haspel 450

Literaturliste 483

 

 

 

Vorspann vom Autor

Meine Gedanken zu diesem Buch kurz vor seiner Veröffent­lichung 6.9.2013

Ein mir sehr vertrauter Mensch hat mich vor einigen Tagen darauf angesprochen, was ich mit diesem Buch denn erreichen wolle.

Parallel dazu hatte ich mir selbst auch diese Gedanken verstärkt gemacht, und bin zu dem Schluß schon gekommen gewesen, daß ich dies in einem Vorspann klar beschreiben sollte. Bestärkt durch den Impuls von außen beginne ich jetzt damit:

Begonnen mit dem Schreiben hatte ich in der Absicht, Menschen auf der Suche nach verantwortungsbewusstem nachhaltigen Leben durch meine Erfahrungen zu unterstützen. So aufrichtig wie mir möglich habe ich Kenntnisse, Wege der Durchführung, Erfolge und auch Fehlversuche in materiellen, sozialen und spirituellen Bereichen beschrieben – vom Möhrensäen bis zum Umgang mit Gästen.

In dem Kapitel „Gebrauchsanweisung für dieses Buch“ habe ich für den individuellen Bedarf zusammengefaßt, in welchen Kapiteln ich über welche Themen und Prozesse vornehmlich schreibe – gedacht für den Kreis, der sich Bestimmtes aus dem Buch herauspicken möchte.

Je mehr ich mich beim Schreiben besonnen habe, umso dankbarer bin ich auch beim Gedanken an möglichen Austausch mit Lesenden, die mir als Antwort ihre Erfahrungen mitteilen. Mir geht es momentan wie bei Säen von Blumen - „Mal schauen, was da draus wächst, was für Blüten es treibt, und Früchte bringt.“

Die Frage, ob ich bewußt Impulse mit dem Geschriebenen geben möchte, ist für mich aus folgendem Grund spannend:

Als ich begonnen habe, wollte ich einfach erzählen, wiedergeben, ein Zeitzeugnis, eine Dokumentation erstellen. Mit großer Überraschung stehe ich nun nach etwa einem Jahr vor dem, „was dieses Schreiben und Aufarbeiten mit mir gemacht hat“.

Nur allein durch das immer wieder geistig Durchgehen, Formulieren, Korrigieren, mit anderen Durchsprechen, und das viele Male, bin ich nun ein deutlich „anderer“. Mir ist viel bewußter geworden, wie groß der „Schlenker“ in meinem Leben ist, den ich 2001 begann und im März 2003 in großer Konsequenz vollzog.

Wie kann ich Euch mit Worten daran teilhaben lassen, wie gegenwärtig mir derzeit der Schmerz um die Vorgänge in dieser Gesellschaft und Zivilisation sind?

Viele Male am Tag geht mir durch den Sinn, daß diese Not und Kriege wie die jetzigen auf der Erde nicht sein bräuchten, weil in so vielen Gesichtspunkten Möglichkeiten und Wege der Abhilfe da sind, greifbar und machbar, und daß es an uns liegt, ob wir sie, und was wir davon umsetzen. Fairer Handel, Bioanbau, viel mehr Genügsamkeit mit dem vielen, was wir hierzulande selbst haben, Abschaffung von Zinsen, Ächtung der Profitmacherei auf Kosten von Gesundheit und Leben von so vielen Völkern, ich könnte noch seitenweise weitermachen.

Eindeutig sage ich jetzt, daß ich mich glücklich schätze für jeden Impuls, den ich durch dieses Buch gebe, und daß auch eine meiner Absichten ist, Anstöße zu geben für Weiterentwicklung.

Ein Gesellschaftsleben ist für mich ohne den gleichzeitigen Blick auf Ausbeutung, Not und Krieg auf dieser Welt nicht mehr möglich, so fremd ist mir die „Brot-und-Spiele-Kultur“ inzwischen geworden. Das Gedenken mit Liebe und Mitgefühl an die, denen es nicht so gutgeht auf dieser Erde, ist für mich ein Muß bei jeder Begegnung, jedem Treffen, jeder Feier. Dies ist für mich verschärft wichtig, solange wir in unserer Gesellschaft weiterhin auf Kosten anderer Völker leben, in dieser „kaschierten Sklaverei“.

Dabei nehme ich Hauptprobleme darin wahr, daß viele, die ich kenne, sich empören über diese von mir benannten Zustände, und Änderungen für wichtig halten. Ich nenne das „punktuelle Empörung“, „Wochenendrevolution“.

Worin ich Bedarf sehe, ist Kontinuität - das ständige „im Sinn halten“ dieser Anliegen. Das kann sich äußern, indem wir bei jeder Begegnung auch davon reden, indem wir im eigenen Leben Weichen zur Abhilfe stellen und Gewohnheiten ändern.

Als Deutscher, der sich seiner Herkunft freut, sage ich dazu: „Auschwitz und unsere Kriegshandlungen im 2.Weltkrieg reichen – wir haben endlich uns massiv einzusetzen, unsere Art des Konsums und Wirtschaftens mit den Greuelfolgen, die damit verbunden sind, zu beenden, sonst sind wir eine Gesellschaft, die weiterhin Beihilfe zu Massenmord betreibt! Und noch schlimmer für mich ist, daß momentan noch weitgehend propagiert wird, es sei alles in Ordnung mit dieser Lebensart.

Ich behaupte, wir können „es“ hinkriegen in Solidarität, Gerechtigkeit und Friedfertigkeit mit Mensch und Natur umzugehen.“

Ja, durch das Buch ist mir viel präsenter, wie sehr ich mich zum Außenseiter hier mache, und auch wieso.

Die Aufgabe für mich dabei sehe ich in Wandlung des Hasses, den ich momentan auf die fühle, die „könnten“ – von Zeit, Geld und Fähigkeiten her, aber „nicht tun“. Mein Ziel ist, den Haß auf Mensch und Gesellschaft zu ändern - in Haß auf die dazugehörigen Sicht- und Verhaltensweisen – Verdrängung, Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit, Gier oder laut Yoga am schlimmsten, Dummheit, die sich dem Lernen verweigert.

Habe ich mit dem letzten Absatz bei manchen schon ins Wespennest gegriffen, so fahre ich nun auf diese Weise fort:

Was tue ich mir mit diesem Buch an?“, ist ein Gedanke, den ich mir in diesen Tagen verstärkt mache. Schroff stehe ich momentan vor meinen Grenzen und auch schmerzhaften Erkenntnissen.

Was tue ich anderen mit diesem Buch an?“, ist mir gleich nach der ersten Frage gekommen. Bei vielen Menschen und Begegnungen lege ich – meiner Wahrnehmung nach – oft den Finger auf Dinge, die andere als „heikel“ empfinden können. Ich habe mir den flapsigen, frechen und auch den anspruchsvollen und herausfordernden Anteil von mir beim Schreiben bewahrt, habe mich selbst dabei nicht gedeckelt. Andererseits rechne ich deswegen auch mit verschiedenem Protest (und das bei meinem riesengroßen Harmoniebedarf).

Wer sich auf die Füße getreten fühlen sollte, und wo wir das nicht sowieso schon geklärt haben, den lade ich zur Mitwirkung bei weiteren Auflagen des Buches ein, die ich vorgesehen habe, so Gott will. (Das Buch ist als lebendiges Kunstwerk gedacht, das sich entwickelt , ändert, erweitert.)

Eine Frage lasse ich wegen meiner Lebenssicht bleiben: „Was tue ich der Welt mit diesem Buch an?“ Die Antwort überlasse ich bewußt Gott. Mir geht es gut bei beiden Gedanken – ob es in der Ecke liegt und vergessen wird, verrottet - oder ob es bekannt wird und zu maßgeblichen Werken einer Gesellschafts- und Lebensveränderung gereiht wird.

Zentrale Übung meines Lebens ist, Gottes Willen gemäß zu handeln, und die Früchte meines Handelns Gott zu überlassen. Das heißt für mich genauso, in Demut Erfolg zu genießen, wie Niederlagen zu akzeptieren.

Nun kann ich das Werk beruhigt ins Leben lassen, nachdem ich mir noch Obiges von der Seele geschrieben habe

Was wünsche ich Euch beim Lesen?

Am meisten die tiefe innere Dankbarkeit und Freude – am eigenen Leben und großen Spiel und Geschenk des Lebens um uns herum.

Braucht es noch mehr? Oder wächst aus diesem Samen alles andere? Jeder kann es für sich selbst beantworten!

Aus aktuellem Anlaß wird der Vorspann länger als geplant:

Wie eine Bombe hat bei mir am 1.1.2014 eingeschlagen, daß ich erfahren habe, daß innerhalb von Stunden unser treuer Wegbegleiter Hardy gestorben ist. Wir waren von 2004 bis Ende 2005 Seite an Seite im VFS, hatten dann einige Jahre teils schwere inhaltliche Auseinandersetzungen, die wir etwa 2009 klären konnten. Wir haben uns dann eine stabile und sehr wertvolle gemeinsame idealistische und freundschaftliche Basis erarbeitet, und wir waren zu dritt oder viert seit 2012 zweimal jährlich regelmäßig einige Tage zu Austausch und Unterstützungsaktion im Projekt Andrea's Paradies vom FdSB, Förderverein der Schenkerbewegung mit Hardy und Andrea als Experimentatoren in Selbstversorgung.

Und er hat mich als Fachmann in vielem, was das Buch betrifft, eingehend beraten und unterstützt. Kurz vor seinem Tod hat er die Formatierung noch fast vollendet. Als ich die Ergebnisse dann selbst auf seinem PC gefunden habe, ist mir sehr flau und weh ums Herz gewesen. Die restliche Wegstrecke hat mich dann fachlich mein Freund Holger begleitet, sehr dankbar bin ich, daß das Projekt schnurstracks weiterlaufen konnte.

Einerseits ist es für mich und uns von Schenkerbewegung ein großer menschlicher Verlust, daß Hardy „weitergegangen“ ist. Andererseits erlebe ich zum ersten Mal, daß ein so naher Mensch gleichen Alters (Hardy war 54, ich bin 55 Jahre) auf einmal für mich weg war. Ich erlebe eine für mich ganz neue tiefe Art von Schmerz, viel verbunden mit Dankbarkeit, daß wir beide auch so Wertvolles miteinander erleben durften. Das Leben schreibt manchmal eigentümliche Geschichten.

Uwe Wilhelm Haspel

P.S.: Mit Freude füge ich noch hinzu, daß als weiteres Medium für die Vermittlung meiner Erfahrungen und Veranstaltungen ab sofort die Internetseite www.uwewilhelmhaspel.npage.de zur Verfügung steht.


 

Auszüge:

1.Der Beginn radikal neuer Wege...

meiner Lebenszeit vom Tod meines Vaters 1997 an bis 2013 – mit dem Schwerpunkt meines Weges in der Schenkerbewegung, im Friedensgarten und dem Verein zur Förderung des Schenkens.

Eine Überschrift eines Unterkapitels kann nicht auf eine Kapitelüberschrift direkt folgen!“, habe ich mir von meinem Freund Hardy sagen lassen. Er hat etliche Bücher herausgegeben und ist somit im Formatieren und dem Fachbereich der Buchproduktion überhaupt kundig, und so höre ich auf ihn.

Auch ich erwarte von meinen Patienten, daß sie meine Empfehlungen umsetzen, außer es zeigen sich erhebliche Gründe für anderes Vorgehen.

So sauge ich mir jetzt, wo das Buch schon fertig zu sein schien, noch elfmal einleitende Sätze aus den Fingern, und verspreche, ich tue mein Bestes.

Los geht es in Kapitel eins also mit dem grundlegenden Wandel im Leben eines zwar in gewissem Sinn außergewöhnlichen Menschen, der aber in Wesentlichem stark angepaßt gelebt hat.

Wie kam es also dazu, daß dieser Uwe Wilhelm Haspel so „ausgeschert“ ist, und nun als „freie interterritoriale Person“, sehr naturverbunden und in vielem sehr „eigen“ lebt?

Lest also über meine Neugeburt und die ersten Schritte auf dem Weg nach meinem „Umstieg“:

Der große Donnerschlag und das Erwachen

Mit dem Tod meines Vaters 1997 ist für mich ein neuer Lebensabschnitt eingetreten. In diesem Zusammenhang habe ich mich der Herausforderung gestellt, für mein Leben radikal Selbstverantwortung zu übernehmen.

Das „Ereignis“ trat einfach in mein Leben, ich konnte nicht daran vorbei.

Ich kam mir vor, wie wenn ein riesiges Wesen mit voller Kraft eine übermenschengroße Bronzeglocke neben meinem Kopf anschlug. Ich empfing dabei eine Botschaft, in Worte übersetzt in etwa: „Nun bist Du in der vorderen Generation. Dein Vater hat die Erde verlassen und ist weitergezogen, und auch Du bist nur begrenzte Zeit hier. Hast Du schon in Angriff genommen, wofür Du auf der Erde bist? Hast Du Deine Aufgabe schon begonnen?“. Und mir war wie „Nein, ich bekenne, ich weiß nicht, wofür ich da bin, und ich stehe wie hilflos vor der Frage, was ich im Eigentlichen, Wesentlichen mit meinem Leben anfangen soll. Überhaupt ist mir ziemlich fremd, daß ich eine Lebensaufgabe haben soll.“

So habe ich eine Zeit von etwa drei Jahren durchgemacht, in denen ich teils bis an die Grenze der Erträglichkeit seelische Schmerzen durchlitten habe. Oft bin ich in meiner Naturheilpraxis gesessen, und habe mich gefragt, wie ich überhaupt kräftemäßig die nächste Behandlung schaffen sollte, habe mich zwischen den einzelnen Patienten einige Minuten zum Kräfteschöpfen niedergelegt.

In dieser Zeit habe ich entdeckt, daß Singen mir mit die beste Medizin war. Ich bin fast täglich stundenlang durch die Weinberge Würzburgs, am Main entlang, durch das Steinbachtal mit seinem großen Guttenberger Forst anbei gegangen. Jeweils nach einer Stunde etwa bemerkte ich, wie wenn die riesigen unsichtbaren Klauen lockerer ließen und meine Seele aufatmen konnte.

Oft bin ich auch in Wittighausen in der Wohnung gesessen, habe mich unerklärlich allein gefühlt, trotz der Hofgemeinschaft mit Menschen, die sich einen „alternativen“ aufgeschlossenen Anstrich gaben. Ich litt unter Kontaktarmut und dem Eindruck, daß ich nur sehr schwierig Menschen finden konnte, die sich selbstverständlich über Oberflächliches und Tiefes im Leben austauschten. Die Täler waren für mich so tief, daß ich über Wochen teils Tag für Tag mich mit äußerster Kraft davon zurückzuhalten hatte, mich auf die Eisenbahnlinie zu legen und meinem physischen Leben ein Ende zu bereiten, weil der seelische Schmerz für mich am Rande des Erträglichen war. Als „Insider“ war ich in dieser Zeit bereit, mich freiwillig in die Psychiatrie einweisen zu lassen, um mir diese Extremgefühle mit der chemischen Keule „wegmachen“ zu lassen. Puh, ich sage Euch, das war mit die härteste Zeit meines Lebens.

Als ich diese Probleme mit Hilfe meiner damaligen Liebsten Rita sowie guten Freunden und Therapeuten klarkriegen konnte, habe ich mich meinem Herzenswunsch nach wahrer Gemeinschaft entsprechend aufgemacht und versucht, im Würzburger oder naheliegenden badischen oder württembergischen Raum eine Lebensgemeinschaft mit anderen Interessierten zu gründen. Ich fand durch mehrere Annoncen einige Menschen. Wir trafen uns etwa zwei- bis vierwöchentlich und kamen zu dem Ergebnis, daß wirklich interessiert nur drei von uns waren. Wir – Jürgen, Erwin und ich – machten uns dann auf und besuchten schon bestehende Gemeinschaften, die Krebsmühle in Thüringen, den Behringhof im Ruhrgebiet, und ich machte mir zusätzlich noch, inspiriert durch Informationsmaterial von Karl-Heinz Meyer (Ökodorf-Institut – hilft Menschen, in Gemeinschaften Platz zu finden, oder selbst Gemeinschaften zu gründen) einen Eindruck von der Yamagishi-Gemeinschaft in Bad Hersfeld und dem Lebensgut Pommritz.

Wirklich sinnvolle und gemeinschaftlich orientierte Lebenspraxis war für mich noch am ehesten im Lebensgut zu finden. Mich überzeugte die Mischung zwischen ökologischem Leben, von der Landwirtschaft und Gärtnerei, Bäckerei, Käserei bis zur Holzzentralheizung, dem Bauen mit Naturmaterialien bis hin zu den sozialen Experimenten, damals vor allem mit der Forumsarbeit aus dem ZEGG und mit anderen Runden und Gruppen. Diese Methoden waren darauf angelegt, gemeinschaftsbildend, reflektierend, aufarbeitend und visionierend zu sein.

Einstieg in die große Gemeinschaft „Lebensgut“

Im August 2001 war ich für sechs Tage dort und entschloß mich schon bald danach, wiederzukommen, und bereit zu sein, mehr und mehr hineinzuwachsen in das Projekt, und die Weichen meines Lebens auf Umzug und Lebensumstieg zu stellen. Dies bedeutete für mich, daß ich meine Praxis in Würzburg aufgab, und in Bautzen in viel kleinerem Rahmen weiter praktizierte, allerdings den roten Faden der naturheilärztlichen Tätigkeit weiterspann.

Viel bedeutsamer war für mich, daß ich im Vergleich zu vorher die Grundorientierung meines Lebens stark geändert hatte, was mit sich brachte, daß ich schon bald meine bisherigen menschlichen Kontakte bis auf wenige einzelne stabile Freundschaften und Weggefährtenschaften verabschiedete (beziehungsweise von den betreffenden Menschen verabschiedet wurde). Mein neuer Lebenswert war die authentische Gemeinschaft – das Beisammensein um des menschlichen Beisammenseins willen, um gemeinsam das Leben in erheblichem Maß naturgemäß zu führen, und sich mit gemeinsamen Interessen und Unternehmungen gemeinsam die Zeit zu bereichern und zu verschönern.

Seltsamerweise habe ich im Lebensgut schon am Anfang nur wenig Resonanz bezüglich tragfähigen Freundschaften gefunden. Martin Reichert, der „Apfelmartin“, ist eine der wenigen konstanten Kontaktpersonen ziemlich von Anfang an. Wir haben allerdings insgesamt wenig Worte ausgetauscht. Ich erlebe Martin eher als den Liebhaber von Taten und von zweckmäßigem „Sein“. Das hieß für mich unter dem Strich in Pommritz, daß ich mich viel mit Alleinsein auseinandersetzte.

Im ersten halben Jahr hatte ich einige beeindruckende Erlebnisse und Erfahrungen, die auch wichtige Wirkungen in die Friedensgartenzeit hinein hatten. Mit Hugo Hasse und einigen anderen Lebensgütlern zusammen – vor allem Anne und Sahaja – organisierte ich das „Sinnvoll-Leben-Camp 2002“ mit. Hugo, Dir sage ich hier nochmal ausdrücklich Dank für Deine Initiative und die vielen Anregungen, das Camp war für mich ein hochspannendes interessantes beglückendes Erlebnis. Es war schon mal ganz neu für mich, so ein Ereignis zu planen, das ich bisher „nur konsumiert“ habe. Und es dann auch in die Wirklichkeit umzusetzen, war noch eine viel intensivere Erlebensqualität. Wir haben das einerseits finde ich prächtig hinbekommen, andererseits habe ich auch sehr wertvolle, tiefgehende und interessante Kontakte geknüpft.

In dieser Zeit habe ich die Friedenstänze kennengelernt. Nurah Ruth Jäger hat mit uns das aramäische Vatermutterunser getanzt, was für mich ein, so sage ich jetzt rückblickend, endgültiger und durchgreifender Friedensschluß mit meiner christlichen Vergangenheit war. Ich durfte Jesus als Lebenslehrer kennenlernen, der voller Wohlwollen uns in die Lebensgesetze einführt, und uns so dabei hilft, unserer menschlichen Bestimmung gemäß zu leben.

Ein anderes Seminar, das ich selbst organisierte, war „Kooperation mit der Natur“ mit Eike Braunroth. Das Seminar war sehr kurz, und ich habe rückblickend wenig begriffen. Das Zentrale, was mir danach allerdings klar war, bestand in der Tatsache, daß wir Menschen auch bewußt als Kooperationspartner der anderen Lebewesen und Naturkräfte agieren können, anstatt daß wir gegen Dies und Jenes ankämpfen und uns fast ständig in eine Rolle begeben, wo wir Krieg zu führen oder mindestens zu manipulieren haben, damit uns selbst wohl ist. Ich habe also ein Stück mehr begriffen, daß die Natur wirklich auch Mutter ist, liebevoll meine baren Füße streichelt, auch auf Kies und Disteln – daß Ameisen, Stechmücken, Wespen, Zecken alles Teile eines großen Systems sind, in dem jedes Stück seinen Sinn hat. Auch ich als sogenannter „Wirt“ für andere Tiere erfülle eine bestimmte Funktion und habe Schmerzen und Nutzen davon, habe mir also den Gesamtvorgang anzusehen, und nicht allein auf den Mückenstich zu schimpfen, und die Mücke womöglich, wenn ich sie erwische, zu erschlagen.

Ein weiterer abgrundtiefer Eindruck war für mich ein Seminar über gewaltfreie „liebevolle“ Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Dort nahm ich mir erstens mit, daß es möglich ist, bei einem Konflikt mit anderen Menschen beide Seiten im Blick zu behalten und auf ein Gesamtwohl zu blicken. Mit anderen Worten kann ich sagen: Ich habe grundsätzlich gelernt, daß es im Leben und auch in Auseinandersetzungen keine Verlierer geben braucht. Dadurch durfte ich sehr viel zuversichtlicher werden, daß ich diese Art von mitmenschlichem Umgang auch lernen und sie in mein Leben eingliedern kann. Der andere Gewinn war für mich, meine Bedürfnisse und Wünsche wesentlich klarer erkennen und formulieren zu lernen. Das hieß für mich, daß ich schon sofort nach dem Seminar viel mehr Erfolgserlebnisse haben durfte als bisher, und es mir wesentlich besser gelang, eine aktive Rolle in der Lebens- und Gemeinschaftsgestaltung einzunehmen. Später habe ich dann selbst Kurse diesbezüglich begonnen, und bin daraufhin in die aktive Friedensarbeit und den Mediatorendienst gegangen.

Im Herbst 2002 war ich also schon ein wesentliches Stück in Pommritz angekommen. Dankbar blicke ich zurück auf die Einblicke in die Ökolandwirtschaft und die Permakultur, auf das Lernen von Sensen, Dengeln, Obsternte, auf Lehmbau, viel Barfußgehen. Viel gesungen habe ich, ab und zu in Gemeinschaft und sehr viel für mich allein, da ich oft mit musikalisch sehr zurückhaltenden Menschen zusammengetroffen bin. Damals war ich Beatlesfreak, konnte alle Lieder, die mir gefielen, vom Text her auswendig, und habe manchmal stundenlang eines nach dem anderen gesungen – so oder mit Gitarre dabei. Und in der Art bin ich auch den Lebensgütlern bekannt geworden, ein Stück als „Hippie-Uwe“.

Den Friedensgarten habe ich bis dahin als ein Stück verwahrlost aussehendes Gelände wahrgenommen. Er sowie die Hinweise auf ihn, außen am Haus das Schild „Naturfriedenszone“ sowie ein Vorstellungstext im Gemeinschaftsführer „Eurotopia“, erschien mir ein großes Stück verschroben. Tamura begegnete ich manchmal im Lebensgut, ohne mit ihr wesentlich Worte zu wechseln. Für meine naturheilärztlichen Kenntnisse schien sie mindestens kein großes Interesse zu haben. Dies ist mir vorgekommen wie „Ich will nicht, denn ich habe schon.“, wie wenn sie sich auf ihre Rohkostkenntnisse und Konz und Konsorten wesentlich mehr und lieber verlassen würde, und ich ihr ein ganzes Stück suspekt wäre. …

Sie gab mir auch andere Texte von SB zu lesen, als Erstes die sogenannten „Vier Sätze“. Sie sind als eine Art Kern unserer Werte und Ziele formuliert. Ich war tief beeindruckt davon. Besonders fühlte ich mich angesprochen durch den ersten Satz „Mensch wird dann glücklich, wenn er seinem Gewissen folgt.“, wobei ich mir den zweiten bald vergleichbar nachhaltig verinnerlichte „Dies bedeutet, insgesamt verantwortlich zu leben, wie eine gesunde Zelle im Organismus Erde.“. Ich erinnere mich gut, daß ich bei mir am Anfang viel schlechtes Gewissen wahrnahm, weil ich eben nicht so freimütig sagen konnte „Weg mit Staatsmitgliedschaft, weg mit Geld.“.

Ich erinnere mich aus dieser Anfangszeit an die Details meines Umzugs, meines bisher ersten, den ich mit Schubkarre fahren konnte. Dabei finde ich noch immer witzig, wie ich Ende März meine Schränke auf der Karre von A nach B im Dorf transportierte mithilfe unter anderem von Anna, einer Bekannten aus dem Würzburger Gemeinschaftsgründungsanlauf, die diese Tage auf Besuch im Lebensgut war, um sich selbst mehr Eindruck zu verschaffen, ob hier ein Platz zum Leben für sie sei.

Ein skurriles Erlebnis, durch das ich Liebe und Fürsorge der Wildnatur besser kennenlernen durfte, war meine erste Nacht dort.

Ich hatte also im Hellen mein Bett bereitet in dem für meine Ansprüche siffigen Zimmer, habe es so gut wie flott möglich gesäubert, habe mir mein Fell, mein Allerheiligstes, meinen Schutz- und Schmusekuschelraum auf die Matratze gelegt, und bin erst spät gegen 22 Uhr müde wieder zurückgekommen. Im Zimmer war keine Tür, nur ein Vorhang als Abtrennung zum Flur. Da lag eine braune Wurst und Soße auf dem Fell, wie Katzenkacke. Uääääh!!!, Ekel fühlte ich durch mich hindurchziehen – und die Gedanken tauchten auf: “Was ist das für ein Willkommensgruß, wird so meine Schutzlosigkeit ausgenutzt, besudelt, werde ich so übergangen und verletzt, wenn ich bereitwillig in ein Zimmer ohne Türe, mit offenen Pforten einziehe???“

Ich habe mit großer Verachtung die Wurst samt Soße beseitigt, das Fell nachts notdürftig abgewaschen, es war nur ein bißchen naß, und dann habe ich mich mit erheblicher Trauer und müde ins Bett fallen lassen, mitsamt der Angst, was denn in den nächsten Wochen und Monaten noch alles kommen könne. Merkwürdig beim Wegputzen war, daß die vermeintliche Kacke nicht nach solcher gerochen hat, und eher säuerlich ausgedunstet hat.

Später habe ich begriffen, daß die Hinterlassenschaft ein „Betthupferl nach Katzenart“ gewesen sein muß, eine erbrochene Maus oder Vogel oder sonst ein Viech, vorverdaut von der liebevoll fürsorgenden kätzischen Hauswirtin, und mir als Leckerbissen zum Empfang auf mein schönstes Tablett serviert.

Manchmal ist es wohl eine Kunst, Liebe zu erkennen und dann noch angemessen wertzuschätzen, und nicht zu wünschen, dem Urheber den Hals umzudrehen. Später habe ich ab und an innig zusammengekuschelt mit „Hexi“ im Bett geschlafen. Einmal habe ich geträumt, daß ich einen Vogel schlucken würde. Ich habe dabei ein merkwürdiges Kratzen und Pieksen im Hals wahrgenommen – vom Vogelschnabel und den Knochen. Als ich erwachte, fühlte ich mich durcheinander, und hatte diesen seltsamen Traum mitsamt den Wahrnehmungen innerlich einzusortieren. Noch schlaftrunken bemerkte ich dann Hexi friedlich und sanft schnurrend an meinen Füßen – die „Traumprojektorin“.

...

Gemeinsame Projektgestaltung im Friedensgärtle

Zurück zu den Projekten. Ich war also bei Heimkehr beträchtlich froh, im Friedensgarten viel mehr Ordnung vorzufinden oder schaffen zu können, als ich in Dargelütz erlebte. Das Projekt war viel übersichtlicher, Tamura ließ mir viel freies Spiel, und ich bewies eine gigantische Riesenmenge an Geduld und Beharrlichkeit.

Meine äußeren Aufgaben im ersten Jahr waren also:

  1. die Sicherung der Lebensgrundlage – Brennholz holen, Obst, Nüsse sammeln, verarbeiten, Gemüse anbauen, Wildpflanzen im FG einpflanzen. Martin hat mich gelehrt, Obstgehölze zu beschneiden und auf diese Weise zu „zivilisieren“, auf eine schöne Art. Er machte mir vor, wie er sich „in den Baum so hineinversetzte“, daß er meinte, empfinden zu können, „wie der Baum wachsen wolle“. Auch die Schafhaltung mit ihm zusammen war für mich ein einschneidender Lebensabschnitt, die Verantwortungsübernahme für große lebendige Wesen, mehr dazu später.

  2. dem Winter vorbauen und sofort mit dem Bau von „Winterfenstern“ zu beginnen. Dies sind quasi Innenfenster, die zusätzlich eingesetzt wurden, und die ich sehr dekorativ aus Abfallholz – Birke mit Rinde – zimmerte, und mit Schafwolle isolierte. Die Fenster wurden rechtzeitig fertig, und in seither sämtlichen Wintern brannten die Kerzen auch bei schneidendem Ostwind einigermaßen senkrecht.

  3. Aufräumen und Entmüllen und Aufräumen und Entmüllen und Aufräumen und Entmüllen.

Dazu kommentiere ich, daß Tamura und ich teils ausgesprochen, teils durch stille Übereinkunft unsere Rollenschwerpunkte im Projekt setzten. Ich freute mich darüber, daß sie den Garten zu großen Teilen in ihre Obhut nahm, besonders was die Kultivierung der Wildpflanzenvielfalt betraf. Kulinarisch ließ ich mich gerne aus ihrem Körbchen verwöhnen, mit dem sie jeden Tag frische Wildkräuter für uns sammelte.

Und ich erlebte sie eifrig und fleißig studierend und lernend, was unterschiedliche Themen anbelangte. Im Vordergrund stand zum ersten Wildpflanzenkunde – sie erstellte eine Synthese der Erfahrungen verschiedener Quellen (Maria Treben, Pahlow, Weiss, Madaus et cetera). Weiter arbeitete sie über anderen gesundheitlichen Themen. Das betraf großteils Rohkost – speziell mit den Aspekten VitaminB12-Versorgung und Wirkung von Chlorophyll in der Nahrung. Spirituell erlebte ich sie auch sehr interessiert an Literatur vor allem über Yoga und Christentum. Gerne hielt ich ihr den Rücken frei, damit sie sich mindestens einige Stunden täglich regelmäßig darauf konzentrieren konnte.

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Weite Strecken meiner Kindheit durfte ich nachholen in Pommritz. Da sind wir dann wieder beim Thema Schafhaltung.

Ich habe maximal den Umgang mit einem Goldhamster, und in meiner Ehe dann den Umgang mit Hunden gelernt. „Nutztiere“ zu halten, und so große und wilde, das war mir völlig neu.

Ich ging in die Erfahrung auch mit einem „Wildwest“-Bild. Wir haben die Jungschafe bekommen, und sie von Anfang an gejagt, anstatt gelockt, wie Wyatt Earp und die Daltons, Lucky Luke und weitere Cowboygestalten. Sie sind uns ausgerissen – natürlich! Sie waren scheu und mißtrauisch und sind es lange geblieben.

Den spektakulärsten der Ausflüge haben sie auf den Schienen der Eisenbahnstrecke gemacht. Martin konnte ihnen gerade noch hinterherrennen – kilometerweit. Und ich raste mit dem Rad zum Pommritzer Bahnhof, damals noch mit Personal besetzt, und alarmierte den Zugverkehr, schlotternd vor Angst, daß ein Unfall passieren könnte. Die Bahnangestellte war sehr freundlich und hilfreich. Sie teilte mir mit, mein Freund sei laut telefonischer Auskunft zweier Lokführer mit den Schafen in Sicherheit bei der Kilometermarke sowieso beim nächsten Dorf „Waditz“.

Wir – Tamura und ich – fanden dann Martin in der Gluthitze des Sommertags vor einem „Kessel“ aus Gestrüpp von Brombeeren sitzen. Drinnen waren die Schafe, nervös und ängstlich wirkend. Wir erreichten erfreulicherweise sofort den Schäfer des Nachbardorfes, der kurze Zeit später mit seinem Geländewagen angefahren kam, und uns vormachte, wie eine Atmosphäre und Bedingungen geschaffen werden können, in denen die Tiere wieder zu Ruhe finden und Vertrauen schöpfen.

Wie bei vielen Menschen auch wirkten Leckereien wahre Wunder - Getreide, Mineralmischung, Lieblingsspeise – irgendwann war die Versuchung des Inhalts der „Lockeimer“ so groß, daß die Tiere lammfromm dem Schäfer in Richtung auf ihr Zuhause folgten. Brot und Spiele sind auch bei uns Menschen bewährte Mittel, um Massen zu lenken und ruhigzustellen.

Daheim angelangt ließen wir uns in Ruhe den „Ausflug“ erzählen, und wir amüsierten uns köstlich mit gleichzeitig großem Schaudern: Martin rannte also Kilometer für Kilometer den Schafen hinterher, und dann kam der Zug von Bautzen entgegen. Der habe sofort angehalten, und der Lokführer sei ausgestiegen und habe den Schafen den Weg versperrt. Kurz darauf sei der „14 Uhr 15“-Zug aus der Görlitzer Richtung gekommen, habe ebenfalls umgehend angehalten – der war wohl schon vorgewarnt. Auch dieser Lokführer sei ausgestiegen, und nun hätten die Dreie die Schafe in den „Kessel“ treiben können. So war die Strecke wieder frei, die Züge seien weitergefahren, und Martin „hatte Pause“. Wir waren heilfroh und dankbar, daß die Angelegenheit so glimpflich verlaufen ist und die Leute von der Bahn so hilfreich und verständnisvoll waren.

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Noch etwas zum Sozialleben im FG: Wir haben unsere Zweisamkeit, so meine ich sagen zu dürfen, langstreckig sehr genossen, und viel geplaudert, und uns auch idealistisch ausgetauscht Wir haben dies mit teils wunderschönen Aktionen verknüpft, wie der Wildpflanzenkultivierung im FG.

In diesem Zusammenhang beluden wir zwei große Karren mit insgesamt etwa 160 auf der benachbarten Viehweide ausgegrabenen Löwenzahnstauden, die wir in Reih und Glied (in geschwungener Linie) unter den Obstbäumen im FG als Begrenzung zum Himbeerfeld auspflanzten – unsere Salatplantage. Wir kamen überein, daß in unserer beider gut schwäbischen Familien die Ausrottung des Löwenzahns im Garten „em Rasa“ (im Rasen des Gartens) hoch zu Buche stand. Mir wurde als Bub ein Pfennig pro ausgestochenem Corpus Delicti gezahlt. Und Jahrzehnte später pflanzen die zwei Verrückten aus Ernährungsgründen solche „Teile“ gezielt im Garten ein, und hoffen und bangen, daß sie auch anwachsen.

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Ein Tag im Leben eines Friedensgärtners

Teilt mit mir einen Tag als Friedensgärtner:

Der Wecker macht sich bemerkbar. Er ist ein riesengroßer Feuerball und erhellt vor seinem Aufgang den Horizont. Seine Assistenten setzen Kehlen, Zungen und Schnäbel ein, um ihren Weckruf in vielfältigen Melodien erklingen zu lassen. Ich räkle mich in der offenen Hütte, im Wäldchen 500 Meter außerhalb des Dorfes, setze meine Füße auf den Waldboden – feinpulvrige Erde und Laub fühle ich unter meinen Füßen.

Einen Gruß sende ich an meine Freunde, die Bäume um mich – eine jugendliche Linde, zwei riesige Eichen in ihren besten Jahren, und viele kleine Ahorn-Jungspünde.

Dann nehme ich mein Handtuch und gehe die paar Schritte zum nahe gelegenen Bach, meinem Sommerbadezimmer. Mit dem Waschen sauge ich die Kraft des Ortes in mich auf, und danke, dass ich hier sein darf.

Die Hütte habe ich mir aus geschenktem Holz, meist Baumschnitt und Schwartenbrettern – die Kanten der Stämme, die beim Sägen im Werk übrig bleiben – in fünf Tagen in diesem Frühjahr gebaut. Vorher habe ich nahebei in einem Gartenhaus des Nachbaranwesens schlafen dürfen.

Dem Pulsschlag der Natur sehr nahe achte ich aufmerksam auf das Leben der Tiere und Pflanzen, das Wetter, Stimmungen des Ortes und andere Wahrnehmungen, die möglicherweise mit Naturkräften und Naturwesen zusammenhängen. So ist es für mich einfach selbstverständlich, dass ich mit meinen Mitwesen rede, auch hier eine Pflanze streichle, dort einen Baum umarme, eine Schnecke begrüße, einer Stechmücke bei der Mahlzeit (meines Blutes) guten Appetit wünsche.

Vor körperlicher mache ich möglichst ein bis zwei Stunden spirituelle Arbeit, zum Lob Gottes, Pflege meines Organismus und Schulung meiner Fähigkeiten und Fertigkeiten. Yoga mache ich – Asanas (Körperstellungen), Pranayama (Atemarbeit), Gebet und Arbeit mit Mantren. Bevorzugt mache ich dies in der Natur, weiche gegebenenfalls in den Meditationsraum des Nachbaranwesens LebensGut aus, ein etwa 25 qm großer Gewölberaum, der durch Schlichtheit und Handwerksarbeit, ein großes halbrundes „Sonnenfenster“, Birkenfußboden, ein in Lehmputz eingearbeitetes manns- oder frau-großes Yantra und andere Details auf mich wirkt, wie wenn ich mich in eine liebevoll geöffnete Riesenhand begeben darf.

Vor dem Frühstück um 10 Uhr mache ich gerne noch in einigermaßen Kühle Feldarbeit – Hacken, Säen, Pflanzen, bei unserer Permakultur auch viel Mulchen und Arbeit mit Gründüngung. Beispielsweise hacke ich ein mit Rettich, Rucola und Kresse bewachsenes Beet um, damit dort Möhren gesät werden können.

Heute ist ein Helfer dabei, Sascha aus dem 10 Kilometer entfernten Geschwisterprojekt „Biotopia“. Er unterstützt mich, lernt dazu und kann so auch zur dortigen Versorgung mit beitragen. Gemeinsam auf dem Feld kann beim Plaudern die Zeit schneller vergehen. Er weiß inzwischen Bescheid, dass ich allermeist barfuss arbeite, einerseits wegen des Wohlgefühls an den Füßen, andererseits weil die Erde – schwerer Lehm – so wesentlich lockerer bleibt, als wenn ich mit festem Schuhwerk darin herumtrete.

Mahlzeiten nehme ich oft nur zwei am Tag ein, um 10 Uhr und nach Bedarf zwischen 14 und möglichst spätestens 19 Uhr. Es gibt meist Rohkost nach Saison, früh Wildpflanzen, Obst – frisch oder getrocknet, Walnüsse, dazu auch Brot und Öl. Nachmittags esse ich meist Kartoffeln, eventuell Hirse, Buchweizen, Getreidebrei oder Nudeln.

Meist essen wir „Eigenes“ oder Geschenktes vom benachbarten Biobauern (der auch hier und dort auf unsere Hilfe zählen kann), manchmal „Auswärtiges“ wie z.B. von Besuchern Mitgebrachtes. Essen ist für mich Genuss und Fest, in seiner Schlichtheit. Meist ist es direkt mithilfe eigener Hände Arbeit und durch Gottes Gnade gewachsen.

Vielen fällt dabei auf, dass ich fast vor jedem Bissen an der Speise schnuppre, ähnlich Tieren. So weide ich mich nicht nur am Duft, sondern wähle auch Art und Menge der Lebensmittel für mich aus.

Üblicherweise stehen zwischendurch Telefonate an – Terminvereinbarungen mit Patienten meiner Naturheilpraxis oder Angelegenheiten der Schenkerbewegung einschließlich der Friedensarbeit.

Ab und zu meldet sich jemand aus dem Dorf oder ein Gast des LebenGuts wegen gesundheitlicher Probleme, und ich gebe entweder auf dem Acker Rat, verabreiche Wildpflanzen oder lege die Grabegabel aus der Hand und begebe mich ins Haus an die ärztliche Arbeit.

Post erledige ich zwischendurch, ebenso das Lesen von Zeitschriften, die wir teils abonniert haben, teils geschenkt bekommen. Eine Lesestunde in Ruhe in der warmen Jahreszeit ist für mich ein kostbares Gut.

Gezielt nehme ich mir Zeit für spezielle Bücher, die mir für die Friedensarbeit hilfreich und nützlich sind, wie z.B. derzeit John Woolmans Tagebuch (ein amerikanischer Quäker, der wesentlich mitgewirkt hat bei der Abschaffung der Sklaverei).

Ebenso selten, ich genieße es sehr, ist für mich ein Spaziergang in Ruhe, ohne eine Arbeit in der Hand, mit persönlichem Austausch mit einem mir lieben Menschen.

Ein- bis zweimal die Woche fahre ich nach Bautzen in die Sprechstunde.

Wenn ich in Pommritz bin, mache ich oft noch Handwerkliches, Reparatur eines Gartengeräts oder Handwerkzeugs, baue eine Neuentwicklung wie derzeit eine Regenrinne aus Holz und Rinde zum Auffangen von Regenwasser als Trinkwasser. Aufräumarbeiten (derzeit oft von Saatgut) sind oft fällig. Oder wir bekommen von Nachbarn eine Ladung Brennholz geschenkt, oder es gibt den Trockenapparat mit Obst zu bestücken, oder ich helfe jemandem im Dorf.

Vor dem Abendessen versorge ich die Schafe, die ich mit einem Freund zusammen betreue – bringe ihnen Büschel bestimmter Kräuter, Heu, abgeschnittene Zweige und Äste.

An speziellen Tagen halte ich Kurse, oder bin an Veranstaltungen mit dem Oberthema „Friedensarbeit“ beteiligt.

Lesen abends bei Kerzenlicht ist für mich mittlerweile ein Leichtes, wesentlich angenehmer als mit elektrischem Licht. Wenn wir untereinander oder mit Besuch zusammensitzen oder außerhalb bei Veranstaltungen sind, habe ich meist Handarbeit dabei – Wollsachen zu stopfen oder Näharbeiten.

Auch im Sommer bin ich oft in Wollsocken und Stiefeln in den bei uns verbreiteten Brennesselfeldern zugange, und ein Wollpullover ist meist am Abend von mir in Gebrauch. So werden Kleidungsstücke relativ schnell löchrig.

Ihr könnt Euch vorstellen, der Tag ist voll von verschiedenen Aufgaben und Tätigkeiten, oft randvoll. Und doch: einerseits macht mir Arbeit von Grund auf Freude, weil ich Sinn in dem Allermeisten von dem sehe, was ich tue; und andererseits macht sie mir Freude, weil ich mir Zeit nehmen kann und sie mir auch nehme, um zwischendurch das Wolkenspiel am Himmel, den Besuch eines Vogels, den Duft einer schönen Blüte zu genießen, mit den Kindern aus der Nachbarschaft zu plaudern oder zu spielen, mich ins Gras zu legen und einige Male tief durchzuatmen, auf einen Obstbaum zur Zwischenmahlzeit zu klettern und und und.

Es wird Abend. Mehr und mehr gelingt es mir, frühzeitig – gegen 22 Uhr – schlafen zu gehen, mich dem Rhythmus der Sonne zunehmend anzuschließen. Auf dem Weg in die Hütte singe ich meist ein oder mehrere Lieder – Lieder des Dankes mit Segenswünschen für die Natur oder Lieder zum Lob Gottes – oder lausche dem Rauschen der Blätter im Wind, dem Zirpen der Grillen, und zu bestimmten Jahreszeiten dem Gesang der Nachtigall, einem der schönsten Geschenke für meine Ohren. Vor dem Wäldchen angelangt grüße ich die Baumfreunde, manchmal Naturwesen, wenn ich dort welche vermute. Dann zünde ich die Kerze meiner Laterne an (wobei mir der Eremit vom Tarot beim Schreiben einfällt), da ich einige Meter durch dichtes Dickicht vor mir habe.

Und wieder ist ein Tag einfach so vergangen. Nichts Großes ist geschehen, und doch habe ich eine große Menge an Besonderem erlebt. Ich habe dies auch heute noch, esse allerdings viel lieber frische Brennesseln.

VFS – mehr zu unseren Versammlungen – Konsenskultur - Veranstaltungen

Nun sind wir sowieso schon wieder beim Thema „VV“, sodaß ich gleich noch ausführlicher davon erzähle. Von Anfang an habe ich dieses Ereignis als einen Höhepunkt im Jahreslauf der SB erlebt. Dies war meiner Wahrnehmung nach vor allem aus dem Grund so, weil wir uns so gut wie alle getroffen haben, angereist aus verschiedenen Teilen Deutschlands.

Die Vereinsversammlung = VV selbst war wohl so gut wie allen aus verschiedenen Gründen eine Last.

Der Raum war bei Anreise meist verdreckt und vermüllt (bis 2006 Haus 9), und wurde von meist ein oder zwei freiwilligen Barmherzigen, zu denen ich mich bald gesellte, in brauchbaren, mindestens appetitlichen, manchmal sogar tendenziell schönen Zustand gebracht.

Wir hatten anfangs zwei VV jährlich. Im Frühjahr, meist im April, mußten wir in dem im Winter stark ausgekühlten Haus kräftig heizen, und auf dem Gästedachboden, wo die Matratzenlager für die meisten Gäste waren, war es arschkalt. Wir hatten auch da schon einige wenige beheizbare gemütliche Gästezimmer bei uns und im HdG. Wir haben allerdings inzwischen eine viel komfortablere Situation – fast niemand braucht mehr in dem „Eisgrab“ schlafen, wobei wir ab und an einige tapfere Naturburschen und -mädels dabei haben, die es trotzdem tun.

Wir sind immer pünktlicher im Laufe der Jahre geworden, was Beginn und Einhaltung der vorgesehenen Dauer betrifft.

Mich betreffend habe ich festgestellt, daß ich ein sehr großes Bedürfnis nach Berechenbarkeit meines Energieeinsatzes für die VV habe. Bei stark ausufernder Zeitüberschreitung mit beispielsweise acht statt vier Stunden von Vereinssalbaderei habe ich einige Male eine derartige Krise gekriegt, daß ich in den nächsten Tagen merklich erschöpft und mißgelaunt gewesen bin.

Umgekehrt habe ich zunehmend gute Erfahrungen gemacht, wenn ich mindestens für mich die Zeit begrenzt habe, auch wenn ich es nicht geschafft haben mag, wie vorhin schon beschrieben, die VV „abzukürzen“. So nehme ich mir jetzt hier und da eine Pause, wenn andere ein Thema, das mir nebensächlich erscheint oder das ich „durch habe“, noch unabsehbar lange weiter durchkauen wollen, und bitte darum, mich zu holen, wenn der nächste Tagesordnungspunkt begonnen wird. Oder ich teile anfangs oder bei zähem Verlauf mit, wieviel Stunden oder bis zu welcher Uhrzeit ich bereit bin, an der VV teilzunehmen.

Dies hat dazu geführt, daß ich die Bälle teilweise den anderen überlassen habe, und meinen Einfluß auf diese oder jene Beschlüsse reduziert habe. Ich bekenne, dies habe ich anfangs mit Angst getan – daß der Kurs des VFS hier und da nicht in meinem Sinne sein könnte, wenn ich nicht genug steuern würde. Meine jetzige Wahrnehmung ist, daß einige andere deutlich mehr in die Verantwortung gegangen sind, und ich in verschiedener Hinsicht viel mehr Teamarbeit und Arbeitsteilung erlebe, gerade da, wo ich etwa zwei Jahre mich in Wesentlichem allein abgerackert und fast aufgeopfert und verschlissen habe.

Geradezu genial finde ich unseren Beschluß, auf die Initiative von Lara hin, daß wir nur noch eine VV jährlich machen, und das zweite Großtreffen viel mehr für Begegnung und thematische Arbeit sowie praktisches Tun verwenden. Dies haben wir schnell auch damit verknüpft, daß wir in die VV nur die allernötigsten, meist verwaltungsmäßigen Punkte genommen haben. Alles Auslagerbare haben wir im Vorfeld schon geklärt, durch Telefonate, E-Post-Verkehr oder durch Vortreffen als Vorbereitung der VV. So schaffen wir es viel leichter, die VV mit einigermaßen Freude oder Gleichmut zu „absolvieren“. Für mich ist sie immer noch ein großes Stück wie als Kind das Einnehmen eines lästigen „Hustensaftes“.

Allgemein zur Durchführung von solcherart Versammlungen gebe ich noch einige Erfahrungen von uns weiter. Mögen sie hier und da von Nutzen sein!

Gerade die nonverbalen Elemente erlebe ich inzwischen oft als entscheidend oder mindestens sehr einflußreich. Wir haben seit Jahren als Ritual das Singen des Liedes: „Nach dieser Erde wäre da keine, die eines Menschen Wohnung wär. Darum Menschen achtet und trachtet, daß sie es bleibt. Wem denn wäre sie noch Heimat, wenn sie einsam die Sonn umkreist?“. Wir zentrieren uns dabei und erinnern uns intensiv an den wesentlichen Grund, wieso wir beieinander sind.

Auch eine Minute Stille mit der Besinnung entweder auf das Wesentliche oder das augenblicklich Aktive wirkte schon oft Wunder, um in sinnvoller „Spur“ zu sein.

Humor kann frische Würze sein – Matthias K. und ich schmettern aus diesem Grund manchmal gerne: „Drei Gäns im Haberstroh saßen da und waren froh. Kommt der Bauer gegangen mit der langen Stangen. Er ruft „Wer do? Wer do? Wer do?“ Drei gagagagagagagaga Gäns im Haberstroh!“. Insgesamt wird mir viel zu wenig gesungen und musiziert bei uns. Allerdings kann ich mich bei meiner eigenen Nase fassen, habe ich doch eine Gitarre und trommle gerne und kann so endlich anfangen, mit gutem Beispiel voranzugehen. Immerhin freue ich mich, daß wir inzwischen einige „Mitbrummer und Mitsummer“ haben, auch wenn die Schmetterstimmen noch rar sind.

Sehr ansprechend finde ich auch, wenn zum Beispiel ein Strauß Wiesenblumen auf dem Tisch steht, wenn die Räumlichkeit mit Beifuß (oder wer mag, mit Salbei) ausgeräuchert ist. Manche stellen die Geruchshaare zu Berge bei Räucherstäbchen, Weihrauch und Ähnlichem, da würde ich empfehlen, erst eine Rundfrage im Vorfeld zu stellen, oder sehr sehr vorsichtig zu dosieren.

Die Sitzordnung halte ich für sehr wichtig, und ermuntere zum Kreis, so gut wie räumlich möglich. Manchmal habe ich „Abtrünnige“, die meterweit sich an den Rand abseits gesetzt hatten, mehrmals und eindrücklich gebeten, sich zu integrieren, wenn ich den Eindruck gehabt habe, daß wir dies energetisch brauchen.

Mit den Rauchern ist das oft eine besondere Sache. Die prägen meiner Erfahrung nach oft die Pausenkultur. Bei uns ist deshalb nach etwa einer Stunde eine Unterbrechung meist ein Muß. Darauf stellen wir uns inzwischen bereitwillig ein.

Mit dem Essen bei der VV sind wir uns uneinig. Ich finde es daneben, möchte entweder sachliche Arbeit oder Mampf, Anderen ist es hilfreich, wenn sie sich energetisch grobstofflich mit Müsli, Banane, Apfel, Broten oder was sonst da ist versorgen können.

Gäste heißen wir grundsätzlich willkommen. Wir hatten nur ausnahmsweise bei einzelnen sehr heiklen Punkten, die womöglich jemand persönlich betroffen haben, den Bedarf angemeldet, zeitweise in „Klausur“ zu tagen. Eine Freude ist für mich, wenn auch mal Kinder dabei sind, wie oft die Noemi von Waldemar und Agneschka, oder jetzt öfter der Aljoscha von Öffi und Anke. Mein Eindruck ist, daß die manchmal richtig mitreden, die Stimmung und auch gangbare Wege spiegeln und vermitteln.

Nun mehr zum Inhaltlichen:

Experimentiert haben wir mit der Reihenfolge der Tagesordnungspunkte „TOP“. Mit dem Argument „Die paar kleinen Punkte machen wir vorweg oder zwischendurch.“ habe ich schon viel Zeitverzögerung erlebt.

Als die besten Erfahrungen würde ich bezeichnen: Vorbereiten, was vorzubereiten geht und so gut es geht. Ein Programm realistischen Ausmaßes machen, ansonsten mehr Zeit, mehrere Tage einplanen. Das Wichtigste als Erstes zu machen. Die Zeit für die TOPs zu begrenzen, um Festfahren zu vermeiden, eventuell einen TOP dann später nochmal aufzugreifen, oder ganz auszulagern (in eine Arbeitsgruppe zum Beispiel). Wenn mir ein Punkt zu lang geworden ist, habe ich auch oft vereinbart, daß dieser nach hinten verlagert wird und ohne mich bearbeitet, und ich mich erst bei absehbarem oder erzielten Ergebnis wieder eingeklinkt habe. Wenn Schriftstücke eine Rolle spielen in der VV, so ist mir daran gelegen, daß jemand von uns die Verantwortung übernimmt, sie im Vorfeld zu kopieren und zum Lesen weiterzugeben, damit jeder informiert zum Treffen kommt.

Und zur Durchführung der Versammlung:

Im Lebensgut vor allem und bei den Quäkern habe ich viele Versammlungen erlebt, und fasse meinen Eindruck wie folgt zusammen:

Die Kunst des gelingenden Miteinanders sehe ich in der Vereinigung von Führung einerseits, andererseits Hilfestellung für Schaffen von Freiraum und Selbstverantwortung der Beteiligten. Es mag vom Reifezustand der Gruppe und der einzelnen Mitglieder abhängen, wo der Schwerpunkt gesetzt wird. Auch bei derselben Gruppenzusammensetzung mag manchmal ein lockerer, dann wieder ein straffer Stil Vorteile bringen.

Wir wählen meist auch einen Wächter der Kommunikation, der darauf achtet, daß jeder zeitlich und vom Ton im Rahmen bleibt, und der auch schwelende Konflikte anspricht. Dann ist uns oft ein Zeitwächter wertvoll, der uns mahnt, wenn wir uns festzubeißen drohen.

Als Entscheidungsverfahren üben wir uns im Konsens. Das heißt in Kürze, daß wir Entscheidungen treffen im Kreise der stimmberechtigten Mitglieder, die jeder mitträgt oder mindestens seine Bereitschaft erklärt, die anderen gewähren zu lassen, nicht nach der Entscheidung dagegenzuarbeiten. Dazu ist uns vor allem wichtig, schwere Bedenken von Mitgliedern zu beleuchten und zu bearbeiten.

Wir laden auch Gäste dazu ein, ihre Bedenken zu Punkten zu äußern, um ihren Blick als Außenstehende zu nutzen. Wir binden uns zwar nicht daran, uns in Entscheidungen von Nicht-Stimmberechtigten blockieren zu lassen, haben allerdings den Eindruck, das es gut ist, schwere Bedenken auch von dieser Seite sorgfältig zu prüfen (Beispiel ist der Konflikt mit Steffi und Ras wegen Schlachtung auf dem VFS-Gelände).

Beim Veto ist es uns wichtig, daß die betreffende(n) Person(en) sich aktiv an einer Lösung beteiligen, um einer Blockade des Geschehens vorzubeugen.

Und wir nehmen getroffene Entscheidungen so lange als bindend, bis wir einen neuen Konsens treffen, der den alten ablöst. Eine Ausnahme ist natürlich, wenn wesentliche Faktoren, die das Thema betreffen, sich geändert haben, was im Einzelfall von uns zu prüfen ist.

Eine große Herausforderung ist für uns der Umgang mit Störungen. Einerseits gehe ich und einige andere davon aus, daß jede Störung ihren Sinn und ihre Wichtigkeit hat („Störungen haben Vorrang!“) und lassen es sein, wie früher manchmal mit „Ordungsrufen“ und Psychodruck die Linie einer Versammlung weiter zu halten.

Andererseits wollen viele von uns einschließlich ich nicht einfach der Willkür, Lautstärke, den Ellenbogen und dem Verletzenden Tür und Tor öffnen. Wir üben uns in der Sensibilität, zu erkennen, was gerade abläuft, und wie wir am besten vernünftig, einfühlsam, spielerisch, humorvoll und manchmal zornig damit umgehen können.

Mir sind einige Beispiele in Erinnerung, wo wir Klippen in den VV bewältigt haben oder auch daran gescheitert sind.

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Ernährung – Selbstversorgung im FG

Ein interessantes Kapitel des Themas Essen finde ich unser Selbstversorgungskonzept und unsere praktischen Erfahrungen damit.

2005 haben wir nach nur zwei Jahren Anlaufzeit ALLES für uns Lebensnotwendige außer Getreide gewinnen dürfen. Kartoffeln, Hafer, Dinkel und Brot haben wir in reichlichen Mengen vom Ökolandbau nebenan bekommen, und haben dort gerne mitgeholfen beim Steinelesen auf den Äckern im Frühjahr, beim Ausmisten, der Heuernte und dem Kartoffelklauben. Herzlichen Dank, lieber Thomas und Heiko für diesen Beitrag zu unserer Lebenserleichterung.

Unsere Lebensmittelpalette bestand aus Wildkräutern, für den Winter auch in getrocknetem Zustand – in Säcke gefüllt – so gut wie sämtlichem einheimischen Obst einschließlich Aprikosen, Pfirsichen und mmmh – das Wasser kann einem sofort bei der Vorstellung im Mund zusammenlaufen – Maulbeeren – zuckersüß, sehr aromatisch und gut bekömmlich. Für den Winter trockneten wir vor allem Äpfel und Birnen – Zwetschgen stellten sich als sehr „umtriebig“ heraus. An Gemüsen hatten wir Bohnen, Mengen an Kürbis – vor allem Hokkaido und Muskateller – auch hocharomatisch, gelbe und rote Rüben, Pastinaken, Radieschen, schwarzen Rettich und Mengen an Tomaten. Kohlehydratspender waren Mais und Kartoffeln – wir konnten jedes Jahr beim Stoppeln, der „Nachernte“ auf den Feldern des Ökolandbau, weit mehr als genug bekommen.

Aber wir wollten, ich vor allem wollte wissen, wie Kartoffelanbau geht und klappt. Also haben wir in einem der Jahre unsere Kartoffeln selbst angebaut. Außerdem lockern Kartoffeln den Boden und bereiten ihn für anderes Gemüse im nächsten Jahr vor.

Hauptsächlich Walnüsse waren uns Fettspender. Die Haselnußernte habe ich erst einige Jahre später gelernt und integriert – sie muß wesentlich früher laufen, als „man“ meint, um merklich was zu ernten – Nachreife in der „Trockenkiste“ ist da sehr wichtig.

Und am schönsten ist für mich das Melken der eigenen Schafe gewesen – eine große Arbeit, weil unsere „Coburger Füchse“ einen großen Wildanteil hatten und von daher auch sehr scheu gewesen sind. Außerdem haben wir sie nicht von klein an an uns und auch damit an so innigen Kontakt, wie er beim Melken abläuft, gewöhnen können.

Das Melken blieb ein großes Stück ein Kampf, wenn auch mit viel Geduld und Liebe. So ein Gefühl von Dankbarkeit für die Schale Milch täglich habe ich, wie ich glaube, nie in meinem Leben sonst empfunden. Wie wenn ich Liebe pur in weißer Form von den Schafen trinken durfte.

So habe ich die schmerzhafte Verletzung des Nichtgestillt-worden-seins meiner Wahrnehmung nach völlig ablegen dürfen. Und der innige Kontakt beim Melken mit dem Schaf mit seinem Geruch dabei ist für mich auch tief eingeprägt. Da ist Nahrungsgewinnung für mich zur Liebesbeziehung geworden.

Zusammengefaßt würde ich das Ergebnis so formulieren: Selbstversorgung geht rundum, mit der Maßgabe, daß sehr viel Energie, das heißt Zeit und Kraft, dafür aufgewendet wird. Ein schönes Gefühl ist das schon, so ziemlich alles selbst auf die Reihe zu bekommen, und so zu wissen, daß auch in möglicher Notzeit menschenwürdiges Leben und schon gar Überleben möglich ist.

Auch ist für uns sehr wertvoll, zu wissen, wie es geht, und wo Tücken dabei sind.

Dabei fällt mir ein Punkt besonders ein, und das ist die Fettversorgung. Wir haben zwar riesige Walnußernten einbringen können mit theoretisch großen Mengen an Nahrungsfett. Wir hatten allerdings häufig den Eindruck von geringer Bekömmlichkeit der Walnüsse.

So empfehle ich jetzt, die Fettgrundlage auf entweder hochwertiges Öl – Sonnenblume, Raps, Leinöl, kaltgepreßt, biologisch - oder auf Butter zu setzen und mit Nüssen und Mandeln behutsam umzugehen, tunlichst auf Bekömmlichkeit zu achten (Hauterscheinungen, auch Entzündungsneigung von kleinen Verletzungen und stark vermehrte Schleimabsonderung sind für mich Warnzeichen).

Ich habe in den Jahren wiederholt bis drei Millimeter tiefe Schrunden an den Fingerkuppen bekommen, konnte teils kaum mehr Feinarbeit machen, Schnürsenkel zum Beispiel zuschnüren, und habe das vor allem auf die Walnüsse zurückgeführt. Beweisen konnte ich es bis heute nicht, aber ich bin wesentlich besser beieinander, seit ich vor allem den Walnußkonsum drastisch vermindert habe, viel seltener und viel geringere Mengen – zum Beispiel dreimal die Woche fünf bis sechs Stück.

Eine wunderbare Erinnerung ist für mich die Ernte auf der Walnußplantage, wo ich in den Baumwipfeln wie ein Wiesel geturnt bin und mit Leibeskräften geschüttelt habe, wie ein stundenlanger Tanz in luftiger Höhe auf schwingendem Parkett, umweht und teils sturmumbraust von Bruder Wind.

Auch der Anblick der bis zu vierzig Spankisten vor dem Apfelkeller aufgebockt war erhebend, so viel lebensspendendes Essen auf einem Haufen. Wir haben mehr als eineinhalb Zentner Walnüsse für drei Personen plus Gäste zur Verfügung gehabt, und hatten voll zu tun, um sie gegessen zu kriegen während des folgenden Jahres (ich für meinen Teil sage jetzt klar, ich habe mich krank gegessen daran – eine Lehre des Lebens).

Mit den Walnüssen war für mich auch in anderer Hinsicht ein Lehrgang in Großzügigkeit verbunden. Viel verschenkt habe ich, das war ja noch leicht, vor allem, wenn die Menschen dankbar dafür gewesen sind.

Viel schwieriger war für mich, damit umzugehen, wenn die damals drei- bis siebenjährigen Kinder, meist vom Lebensgut, mit den Nüssen gespielt haben und sie zu diesem Zweck auf den Boden geworfen, teils zertreten, und eventuell sogar in der Gegend verteilt haben. Einmal haben sie einen Bollerwagen gefüllt und ein eigenes Lager unter dem Holzbackofen fünfzig Meter entfernt errichtet. Ich hatte zu tun damit, um ihnen klar zu machen, daß dies zwar einfach und einladend sei, allerdings ich die Nüsse für unseren Jahresvorrat gesammelt hätte, und sie doch selbst auf Suche im Park nebenan gehen könnten.

Ich würde nächstes mal Anlauf nehmen, um mit ihnen gemeinsam zu sammeln.

Doch zu der Zeit, 2003 bis 2006, war ich – oder besser – habe ich mich massiv eingebunden in Arbeit, mich sehr unter Leistungs- und Zeitdruck gestellt. Oft bin ich abends steinmüde spät (24 oder 1 Uhr) ins Bett gekippt.

Mit den Nüssen habe ich viel gelernt über sinnvolles Wirtschaften. Heute mache ich einen großen Teil der Ernte intuitiv, weiß verstandesmäßig nur sehr schemenhaft, was für das kommende Jahr wichtig ist, und habe entweder sowas wie eine Vision vorher, wie bei der 2012er Haselnußernte, daß es zwei Eimer voll werden (und ich kam mit exakt zwei Eimern nach Hause nach der eingeplanten Zeit, schön), oder im Laufe der Ernte gewinne ich etwas wie ein Bild oder einen Eindruck davon, was noch nötig, wichtig, sinnvoll ist.

Ein sinnliches Erlebnis besonderer Art ist für mich die Kürbisernte 2005 gewesen – ein Riesenhaufen, über zwei Zentner, an dem wir bis April, soweit ich mich erinnere, gegessen haben. Sie waren auch sehr aromatisch geraten.

Und der Erfolg war sehr groß, obwohl oder mitsamt dem, daß die Pommritzer Nacktschnecken ein Zehnfaches der Pflänzchen im Vorfeld verspeist haben, genüßlich, wie ich meine. Auch das ist ein Lehrstück der Natur für mich. Zahlenrelationen sind für die Natur oft sehr relativ. Vor allem, wenn ich wahrnehme, wieviel Eicheln so ein riesiger Eichbaum innerhalb einer Saison abwirft, und daß in Grunde ihm – oder der Natur – ein kräftiger Nachfolger genügt. Ich habe meine menschliche gewohnte Art zu rechnen oft in Frage zu stellen, und zu lernen, mit oft völlig anderem Blick an Lebensvorgänge heranzugehen.

Bei der Gelegenheit fällt mir noch ein, daß wir zusätzlich zur reichen Ernte meistens gut was abgeben konnten, fast immer zu einem großen Teil unsere Gäste bewirten, und viele Geschenke machen.

Nach dem Jahr gelungener Selbstversorgung haben wir uns viel stärker auf die Zusammenarbeit mit den anderen Pommritzer Biobauern und -gärtnern gestützt. Ich habe an sie von unserer reichen Beeren-, Birnen- und Mirabellenernte, verschiedenerlei Saatgut sowie vom Knoblauch weitergegeben, und wie schon beschrieben Arbeitseinsätze mitgemacht und vielerlei Krimskrams, das nützlich sein konnte, weitergegeben – Ofenrohre, eine Küchenhexe leihweise (ein Küchenherd mit Holz beheizt), dies und das an Werkzeug. Und ich genieße, daß ich auf etlichen Feldern und Obstwiesen nach Herzenslust schlemmen darf und Martins Fallobst für meinen speziell wohltuenden Jahresvorrat an Trockenfrüchten nutzen kann.

Yoga – Frieden mit mir, Gott und dem Leben

Mosaikstück für Mosaikstück füge ich in dieses bunte Bild unserer (SB-) und meiner Geschichte. Erhebliche Wichtigkeit hat für mich dabei der Yogaweg.

Kurz gefaßt bin ich einerseits in der beschriebenen Zeit persönlicher Entwicklung – meiner Wahrnehmung nach durch die spirituelle Praxis – bei den vielen Anstrengungen und Belastungen gesund geblieben.

Andererseits habe ich nach den ersten Jahren wahrgenommen, wie ich in der Tiefe mehr und mehr erkannt habe, daß ich psychisch diesen Weg nur „mit Gottes Unterstützung“, anders gesagt „um Gottes willen“ gehen kann. Die Kraft, so anhaltend, klar und konsequent für Liebe, Solidarität, Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit einzustehen, bekomme ich in diesem Ausmaß nur aus „der geistigen Ebene“, von Gott - „Mutter Vater Göttin Gott“.

Wie bin ich da hineingewachsen? Wie durfte der inzwischen kräftige, stabile und flexible Baum als junges Pflänzchen „Fuß fassen“ und sich im Laufe der Zeit Schritt für Schritt weiterentwickeln? Laßt Euch erzählen!

Die erste Information über den Kurs der „Deutschen Akademie für traditionelles Yoga“ in Pommritz bekam ich von Lebensgütlern, die sich begeisterten und an den Probestunden teilnahmen. Wir schätzten es sehr, daß zu uns in die Pampa aus Berlin eine Yogalehrerin – Meike – alle zwei Wochen am Samstag gefahren kam, und wir dann etwa fünf Stunden mit ihr eine Menge Wertvolles lernen und üben durften.

Ich habe schon damals viele Dinge, auch Techniken aus dem Yoga, ausprobiert gehabt, bin viele Wege gegangen und habe absolut kein Feuer gefangen. So habe ich erst einmal mit Abstand das Kurstreiben von außen verfolgt und mir ein bißchen erzählen lassen, was denn im Lebensgut los ist, um auf dem Laufenden zu sein.

Besonders geschwärmt hat Apfelmartin. Er erklärte einigen Interessanten wiederholt in meinem Beisein, was für ihn so phantastisch an der Methode sei. Er wiederholte das Beispiel aus dem Kurs, wir sollten uns vorstellen, daß wir bei bestimmten Problemen weiterkommen wollten. Yoga könne uns dabei helfen, indem wir je nach Problem bestimmte Übungen – Asanas – machen könnten, mithilfe derer wir in Resonanz mit den Lösungen gehen könnten.

Das heißt im Klartext: Wollen wir Förderung der heilerischen Fähigkeiten, vor allem mit den Händen, erreichen, dann haben wir als „Werkzeug“ die „Stellung des Baums“, „Talasana“. Aber das heißt noch mehr: Auch im emotionalen und geistigen Bereich seien diese „Rezepte“ wirksam: Förderung von Willenskraft erzielen wir zum Beispiel durch das Dreieck, Trikonasana, Förderung von Mitgefühl durch Bhujangasasa (die Kobra), Förderung des geistigen Begreifens und Erkennens durch Garudasana (den Adler).

Beim dritten Mal etwa bemerkte ich dann mein Interesse daran so gewachsen, daß ich auch probieren wollte, was Martin so anpries. Wer weiß, kann ja nützlich und wertvoll auch für meinen Weg sein.

Anstrengend und mühsam empfand ich die Yogapraxis, das lange Verharren in einer Position (Asana) des Hatha Yoga und das Schmerzen von immer neuen Körperabschnitten, die ansonsten sich meist ruhig verhalten hatten.

Und anstrengend war für mich auch der Hinweis, daß die eigene tägliche Praxis ein sehr wichtiger Baustein auf unserem Weg sei, eben um die Änderungen in unserem Leben voranzubringen und zu stabilisieren. Mein Wille und meine Disziplin diesbezüglich waren sehr gering. Erfreulicherweise „machte ich mir auch keinen Streß“ und akzeptierte das bei mir.

So kam es, daß ich interessiert der Theorie folgte, die eine und andere Asana gerne mitmachte, wieder andere verabscheute und stöhnte, wenn sie aufs Programm genommen wurden. Die Unterlagen für die Zeit vor meinem Einstieg (ich begann etwa drei Monate später als die anderen) arbeitete ich lange Zeit nicht nach.

Der Kurs baut Jahr für Jahr in Theorie und Praxis aufeinander auf. Und schließlich, nach etwa drei Monaten, entschloß ich mich auch, täglich zu praktizieren – auf meine Weise. Während Martin und Tamura beispielsweise schon früh lange Zeit täglich übten, eine oder zwei Stunden täglich, machte ich Kurzversionen der Aufwärmübungen und Asanas, und so war ich nach maximal zehn Minuten mit allem fertig und konnte zum nächsten Tagesordnungspunkt übergehen.

Praktiziert habe ich damals ja noch täglich mit dem Werkzeug des „Freundeskreises zur persönlichen Entwicklung“, wozu gehörte, daß ich mich in Ruhe hinsetzte und in einer Art Meditation zwanzig Minuten bis eine halbe Stunde lang aufmerksam Gedanken und Emotionen wahrnahm und systematisch „umprogrammierte“. Ich bin auch froh, daß ich diesen geistigen Weg konsequent abgeschlossen habe, so lange dies weiter fleißig praktiziert habe, bis die neue Pflanze stark genug gewachsen war, und ich Yoga an dessen Stelle setzen konnte.

Die zwei Wege brauchten deshalb nie Konkurrenz füreinander zu sein. Im Gegenteil durfte ich so meinem Empfinden nach die wertvollen und wichtigen Seiten von beidem in vieler Hinsicht tief begreifen.

So machte ich etwa eineinhalb Jahre „Turboyoga“ Marke „Düsentrieb“ und steigerte dann langsam und stetig die Zeitdauer der Praxis (der Asanas, des Pranayama – d.h. Atemarbeit, und der Meditationen). Ich begriff, daß ich wohl zu merklichem Wachstum ab sofort mehr Praxis brauchte.

Die nächste Phase war dann durch „Neugier“, Interesse gekennzeichnet, die vielen unterschiedlichen Asanas auch ausprobieren zu wollen.

Und schon damals ist mir klar gewesen, was Doru, mein späterer Yogalehrer, uns dann wiederholt eindrücklich sagte, daß für das wirkliche Beurteilen von Techniken wir diese für „geraume Zeit“ zu praktizieren hätten – einige Wochen – Monate – eventuell Jahre, je nachdem welche Übung wir praktizierten.

So baute ich mein Programm aus und nahm mir immer neue Techniken vor und wuchs mit meiner Erfahrung in die Breite. Auf diese Weise machte ich große Fortschritte in meiner individuellen Entwicklung und wollte noch um vieles weiter kommen.

Ich steigerte die Praxis auf vier bis sechs Stunden täglich, verbunden mit einem „Tapas“, einem Versprechen an mich selbst und Gott, daß ich ein bestimmtes Programm für eine bestimmte Zeitlang machen würde, verbunden mit einem realistischen Ziel, das ich dadurch erreichen wollte.

Damals habe ich mir das Bild geprägt, daß Gott mein Hauptarbeitgeber für diese Zeit gewesen ist, und ich bei ihm eine Halb- bis Dreivierteltagsanstellung angenommen habe. So habe ich mutig und mit Humor gesagt, daß er sich nun kümmern müsse, daß ich meinen Arbeitslohn zum Lebensunterhalt bekomme.

(Mal abgesehen davon, bis heute durfte ich das, was ich zum Leben brauchte, immer bekommen, habe nie richtig Not und Hunger erleiden brauchen.)

Meinerseits habe ich bis heute jede Zusage (id est: ein bestimmtes Übungsprogramm einzuhalten) dieser Art hundertprozentig erfüllt und sehr gute Erfahrungen damit gemacht – zum einen um der Erreichung der Ziele willen, zum anderen um der Disziplin und Konsequenz an sich willen. Zugegebenermaßen ist mir manchmal schwer gefallen, mich abends oder nachts noch zu zwei oder drei Stunden „Arbeit“ aufzuraffen.

Karma Yoga heißt in einfachen Worten soviel wie „Gott mit dem, was ich tue, bewußt zu dienen“, das heißt, es selbstlos zu machen, ohne Rücksicht auf die Ergebnisse, frei von der üblichen Erfolgserwartung.

Als Hilfsmittel lernen wir die sogenannte „Widmung unserer Vorhaben an Gott“.

Dabei bieten wir (in Gedanken oder leisen Worten, vor uns hin gesprochen) Gott unser Vorhaben an, beispielsweise jetzt den Yogaraum zu reinigen, und überlassen damit auch die Ergebnisse, die „Früchte“ dieses Handelns, seiner Verantwortung.

Mit anderen Worten kann ich auch sagen, ich habe gelernt zu prüfen, ob meine Vorhaben in Harmonie mit „dem großen Ganzen“ sind, ob sie nur eine fixe Idee von mir (= von meinem Ego) sind, oder ob sie nützlicher und wichtiger Baustein in den derzeitigen Geschehen, Entwicklungen und Abläufen sind.

Wir haben die Sichtweise, daß es ein sinnvolles großes Ganzes gibt, in dem wir einzelnen Menschen einzelne Teile davon sind. Wir gehen von der Chance aus, in diesem Leben mehr und mehr zu lernen, dies wahrzunehmen, und in dem Spiel unsere Rolle und Position bestmöglich einzunehmen.

Mißverständlich könnte sein, daß es so wäre, wie wenn wir keinen eigenen Handlungsspielraum mehr hätten.

Ich ziehe den Vergleich mit einem Fußballspiel. Die Rollen sind klar verteilt. Ein Torwart hat das Tor zu hüten, und ganz andere Aufgaben übernommen, als der Mittelstürmer oder gar der Schiedsrichter. Wenn er die Rolle der anderen übernimmt, stiftet er heilloses Durcheinander oder zerstört das Spiel. Wenn er seine eigene Rolle spielt, hat er in dieser großen Handlungsspielraum – zehn verschiedene Stürmer haben zehn verschiedene Taktiken und Arten und Weisen der Umsetzung – Gerd Müller war der Spezialist für Kleinstarbeit in großem Getümmel vor dem Tor – Uwe Seeler war der Kopfballspezialist.

Wie machen wir solch eine Widmung, und woran messen wir den Erfolg?

Empfohlen ist aufrechte Körperhaltung, ich mache sie wenn irgend möglich stehend, mit ganz oder dreiviertel geschlossenen Augen. Nach kurzer Sammlung sage ich innerlich: „Gott, ich widme Dir [zum Beispiel], daß ich den Yogaraum reinige, mitsamt den Folgen davon [= den Früchten].“ Dann warte ich auf die Antwort eine halbe bis ganze Minute. Sie wird oft wahrgenommen wie eine Dusche aus Licht von oben nach unten, den ganzen Organismus durchziehend, auch möglicherweise als ein Kribbelschauer, ein wohliges Gefühl, ein „inneres JA“. Falls Stille ist und sich nichts tut, gehe ich davon aus, daß mein Vorhaben eine fixe Idee von mir gewesen ist, oder daß der Zeitpunkt dafür noch nicht gekommen ist. Gegebenenfalls wiederhole ich einige Zeit später das Vorgehen.

Wir haben gelernt, daß wir uns auf diese Weise – indem wir mehr und mehr, und schließlich unser ganzes Leben auf diese Weise „Gott widmen“, von egoistischen Trieben und Zielen freimachen, uns karmischer Konsequenzen entledigen können. Wir brauchen die Auswirkungen dessen nicht mehr zu erleiden oder zu durchleben, was wir getan oder unterlassen haben. Mit meinen Worten gesagt heißt das, wir können lernen, wahrhaft aus dem Augenblick heraus zu leben, im rechten Moment das Rechte zu tun, wirklich kreativ sein in dem Sinne, wie wir „angelegt sind“ - unseren Begabungen und Fähigkeiten entsprechend.

Zur weiteren Erläuterung: Das Leben von uns mag äußerlich dann wenig anders aussehen als vorher, aber „eine größere Qualität, eine 'eigentliche', 'wesentliche' Qualität gewinnen“.

Viel könnte ich über die Zeit in Rumänien berichten, hier fasse ich mich bewußt sehr kurz und konzentriere mich auf das, was auf meinem Weg in der SB wichtig ist.

Ohne ein einziges Wort der Sprache zu kennen und ohne Sprachführer, Wörterbuch und möglichen Dolmetscher bin ich losgefahren und habe gelernt, eine Sprache mit Händen, Füßen, Grimassen und Körper (Mimik, Gestik und Körpersprache), „Ausstrahlung“, sowie mit dem Herzen zu lernen, und es war sehr mühsam für mich, und auch hochinteressant und berührend. Ich kann nun fließholpernd Rumänisch sprechen und vieles auch verstehen, und das nachhaltig. Lernen mit dem ganzen Organismus aktiviert ganz andere Ebenen als die „Paukebene“ von der Schule und Uni. Rumänisch kann ich lebendig, Englisch immer noch als ein bißchen totes und lahmes Wissen.

Weiter zentral wichtig war für mich das Erleben, ein Deutscher zu sein. Nach drei Monaten habe ich gemeint, daß so viel Unterschied nicht ist zwischen denen und uns, und ich erwog, dort einige Jahre oder sogar mein restliches Leben zu verbringen.

Und dann habe ich kraß wahrgenommen, wie viele und wesentliche Unterschiede wir haben, welche Eigenheiten sie - die Rumänen – und ich als Deutscher habe, und wie große Verbundenheit ich zu „deutschem Boden“ (was für mich nur heißt, der örtliche Umkreis, Dunstkreis, mit dem ich vertraut bin) und dem deutschen Volk wahrnehme.

Ich fühlte wachsende Freude darüber, betrachtete aufmerksamer, was ich gerade an „uns Deutschen“ als besondere Qualitäten und Fähigkeiten wahrnahm, und erlebte, daß ich mit der Volks-, Landes- und Familiengeschichte viel mehr Frieden schließen durfte.

Das war für mich dann große Unterstützung in der Phase, in der ich erwog, die politische und wirtschaftliche Eigenständigkeit zu erklären und aus der Bundesrepublik Deutschland auszutreten. Ich wußte genau, daß ich mitsamt dem Schritt eine tiefe Verbundenheit und Liebe zu „meinem Land“ und zu „meinem Volk“ hatte.

Dritter wesentlicher Punkt war, daß ich dort eine besondere Art von Musiktherapie kennenlernen durfte, das „Heilende Vokaltönen“ nach dem deutschen Arzt Leser-Lasario und meinem geistigen Vater Grieg. Ersterer griff in den Dreißigern des letzten Jahrhunderts uraltes Wissen auf, und setzte es gezielt in seiner Arztpraxis therapeutisch ein. Er ließ je nach Erkrankung die Patienten bestimmte Vokale geistig, mimisch und intoniert (durch Singen oder Summen auf Töne) formen – den Herzkranken zum Beispiel das „A“ oder „O“.

Grieg fügte dem hinzu, daß Schritt für Schritt sämtliche sieben Töne der Oktave (DO-RE-MI...) mit dem Vokal getönt werden, um die sieben Chakren von unten nach oben anzusprechen, und so Harmonie und Bewußtheit in die sieben Seinsebenen zu bringen. Das Verfahren setze ich sowohl in der Praxis gezielt ein, wie ich es auch in viele andere Tätigkeitsbereiche einflechte.

Für mein Wirken in SB bedeutet das, daß ich den tiefen Glauben habe, daß durch unser aller Verbundenheit durch Schwingungen und Wellen wir Menschen auch ohne Worte, durch Klang und Töne, zu einer schnellen und durchgreifenden Verbindung miteinander und „dem Leben“ kommen können, und so eine phantastische unermeßliche Möglichkeit haben, Aufgaben und Schwierigkeiten „ganz anders“ und sehr einfach zu lösen.

Ich glaube, daß es den „Welten-“ und „Lebenston“ tatsächlich gibt, und wir üben können, ihn besser und besser zu treffen. Viele erstaunliche sehr berührende Erfahrungen durfte ich bisher schon machen, beispielsweise daß ich Resonanzgebilde von der Form und dem Ausmaß des Fernsehturms in Berlin am Alexanderplatz wahrnehmen durfte.

Wie bei vielem anderem habe ich die Zuversicht, daß ich am Ende dieses Lebens mehr Einblick habe.

8.Provokationen von außen - Konfrontation mit der herkömmlichen Medienkultur

Nach dem hochspirituellen Thema paßt finde ich hier jetzt gut irdische Realität, wenn sie uns in SB und auch mich persönlich manchmal so richtig an die Dualität dieses Erdenlebens, an „Gut“ und „Böse“ erinnert.

Ach wie schön ist es, mal in der Zeitung zu stehen, im Fernsehen zu kommen – wirklich?

Gerade unsere Medienwelt im Kapitalismus und der Massengesellschaft, mit Sensationshunger, Verzerrung und extremer Filterung der Informationen finde ich eine besondere Herausforderung.

Das Hauptproblem nehme ich genauso wie bezüglich der Massentierhaltung bei den Konsumenten wahr. Die Nachfrage steuert den Markt entscheidend mit. Wir sind „selber schuld“ an dem Schrott, der uns vorgesetzt wird.

Ja, ich weiß, das ist einfach gesagt. Bei jedem Menschen liegt ein spezieller Grund vor, wieso er sich bereitwillig als Schaf in eine Riesenherde eingliedert – ob es Angst, Gleichgültigkeit, Überlastung, Unwissen, Gedankenlosigkeit, Autoritätsgläubigkeit ist, was auch immer...

Welche Konsequenzen hat das für uns Sonderlinge in SB?

Womit haben speziell wir uns zu konfrontieren?

Und welchen Umgang finden wir günstigerweise damit?

Erstaunlich oft erleben wir in den letzten Jahren verschiedene Angriffe, teils von außen, teils von Menschen, die sich uns eine Weile angeschlossen oder mindestens angenähert hatten.

Ein sehr häufiger Teil des Strickmusters ist, daß vor allem Öffi, aber auch anderen von uns teils skurrile Dinge unterstellt werden, und wir – wiederholt – mit Verleumdungen in Medien einschließlich Internet zu tun hatten und haben.

Eine andere „Strategie“ erscheint mir die Saat von Zwietracht in unseren Reihen durch „Provokateure“ auf unterschiedliche Weise. So soll wohl Energie auf innere Schwierigkeiten abgezogen werden, damit wir – so deute ich – möglichst beschäftigt, und damit unschädlich für Interessengruppen des herrschenden Systems sind, so sage ich allgemein.

Wir machen uns auch immer wieder Gedanken darüber, welche der Provokationen gezielt von „staatlichen“ oder geheimdienstlichen Organisationen eingefädelt sein können. Wir wagen zu sagen, daß wir uns sicher sind, daß dies in einem Teil der Fälle zutrifft, weil wir uns in kapitalistischem und imperialistischem, und auch in „gutbürgerlichem“ Sinn sicherlich bei vielen unbeliebt machen. Ich unterstelle hier niemandem, von dem ich erzähle, das Zutreffen eines derartigen Vorwurfs. Andererseits kalkuliere ich bei jeder genannten Person solche Zusammenhänge und Hintergründe mit ein.

Solcherlei Aktionen, wie ich sie schildere, lassen nicht nur mich daran denken, daß sie im Rahmen einer organisierten umgrenzten Destruktion gegen Schenkerbewegung veranstaltet werden. Mit anderen Worten kann ich es als eine besondere Art von „Beschäftigungstherapie“ bezeichnen. („Jetzt schmeiß ich dieser SB den Turm aus Bauklötzen ein Stückchen um, dann müssen sie die Klötzchen wieder einsammeln und neu aufbauen und machen derweilen keinen anderen Blödsinn wie Gesellschaftsveränderung!“) Ja, ja, das Leben hat schon seine Kapriolen.

Ich bin der Ansicht, so gehe ich einerseits angemessen klar, und andererseits mit der erforderlichen Fairness an das Thema heran

Artabana – ein Modellbaustein eines ganzheitlich nachhaltigen Gesundheitssystems

Schon frühzeitig, etwa 2004, oder schon 2003, bin ich aus der Krankenversicherung(KV) ausgestiegen. Damals war ich noch privat versichert. Die Beiträge waren zwar durch meine Selbstbeteiligung von 2000 Euro jährlich und Rückvergütungen, wenn ich die KV nicht nutzte, nicht so sehr hoch, schätzungsweise 160 Euro monatlich, aber mir erschien bei meiner immer natürlicher gestalteten Lebensweise die KV immer skurriler und absurder.

Mit dem herkömmlichen System wird, so war ich mehr und mehr überzeugt, die Krankheit und krankheitserzeugendes Fehlverhalten kultiviert und oft sogar belohnt. Das Spiegelbild erlebte ich ja seit vielen Jahren in der ärztlichen Praxis, wenn Patienten ihre Selbstverantwortung für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden „an der Garderobe abgaben“, und das oft noch mit dem Argument: „Ich zahl ja eine Menge Krankenkassenbeiträge, dafür muß mein Arzt mir dann was verschreiben, was mich gesund macht.“ Und eventuell war dann noch der Anspruch da, daß die Behandlung möglichst teuer und aufwendig sein muß, denn der eingezahlte Beitrag „muß ja wieder rausspringen“. Kurzum, noch viel schwachsinniger und absurder kann das System fast nicht mehr sein, anstatt daß gefragt würde, was für Gesundheit wesentlich ist, und wie wir das bewerkstelligen können.

Und von mir noch einen drauf gesetzt wäre doch allem voran – für eine möglichst gesunde Gesellschaft - wünschenswert, wenn wir nur wenig an Mitteln für unsere Gesundheit benötigen würden, und so für die wirklich Kranken und Hilfebedürftigen garantiert genug da wäre. Je mehr Menschen es gut geht, um so mehr können diese sich und andere unterstützen.

So sehe ich wünschenswerte Solidaritätskultur. Was meint Ihr, meinen Sie dazu?

Ich habe mich also ziemlich mutig „in den luftleeren Raum“ begeben und war etwa zwei Jahre in Eigenverantwortung (das heißt, nicht versichert), was gesetzlich damals auch möglich war.

Andererseits hatte ich die „Artabana“-Idee kennengelernt, schon 2001 beim Ökodorf-Festival, durch Johannes Paulus Lehmann, einen der „Vorreiter“ in Deutschland diesbezüglich. Mir gefiel diese Form von Selbstverantwortung mit engem Bezug zum eigenen Gesundheitsbewußtsein und einer Art von Einbindung in Solidarität.

Eine kurze Erklärung des Systems gebe ich zum besseren Verständnis.

Deutschlandweit gibt es viele regionale Gruppen von meist 5-20 Personen, die auf Vertrauensbasis in „einen gemeinsamen Topf“, eine Art Fonds, monatlich Beiträge einzahlen, die zu 60 Prozent für die Deckung der eigenen gesundheitlichen Kosten der Mitglieder zur Verfügung stehen.

Die restlichen 40 Prozent sind „Überstand“, der für besonders teure Behandlungen in der eigenen Gruppe oder innerhalb von ganz Deutschland verwendet wird.

Der Übersichtlichkeit wegen sind zwischen der Regionalgruppe und dem deutschlandweiten Verband noch die „Bünde“ dazwischengeschaltet – für Sachsen ist das der „Ostwindbund“. Die Bünde haben verschiedene Funktionen.

Außer daß sie anstreben, daß die gesundheitlichen Ausgaben von sächsischen Mitgliedern auch durch die sächsischen Gruppen getragen werden können, sind sie für die Vertrauenskultur in der Gruppenlandschaft sehr wichtig, indem sich die sächsischen Gruppen menschlich untereinander bei den zwei jährlichen Treffen besser kennenlernen. Auch achten „wir“ auf genügende Reife und menschliche sowie sachliche Begleitung von neu einsteigenden Gruppen. Dies geschieht durch Artabana-erfahrene Paten.

Ein weiteres Herzstück der Bündnisfunktion ist die Bearbeitung von gesundheitlich relevanten Themen verschiedenster Art, von der Frage, wie eine Sicherung ausreichender Beitragshöhe erreichbar ist, bis hin zur Gesundheitssicherung oder Vorbeugung, Vorsorge, wie ich dies gerne betitle. So helfen wir uns gegenseitig, unser Know-how und Gesundheitsbewußtsein weiter zu entwickeln. Weitere Gebiete sind die Fragen der Behandlungsfreiheit, Pflegeabsicherung, Patienten- Verfügung, die besondere Rolle von Kindern und vieles mehr.

Für mich ist die Umgangskultur miteinander noch viel bemerkenswerter und bahnbrechender, als die speziellen interessanten Themen. Sehe ich doch SB inzwischen auch so, daß unsere Grundideale „nur“ die Blüten sind, die auf „einem anderen Menschsein“, einer anderen Lebensart und Lebensbewußtsein wachsen.

Genau dieser Punkt stellt für mich auch die enge Verbindung zwischen Artabana und SB dar, und deswegen bringe ich mich selbstverständlich da wie dort ein.