Die Erdcharta – weltweit gemeinsame Ethik „zur Rettung der Menschheit“

Die Erdcharta ist ein ethisch-moralisches Wertesystem, das von 1987 bis 2000 in weltweiter Zusammenarbeit vieler Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen ausgearbeitet und formuliert worden ist. Mittragende sind unter anderem Michael Gorbatschow, Dalai Lama, Wangari Maathai, Leonardo Boeff. Die UNESCO solidarisierte sich 2003, die Weltnaturschutzorganisation IUCN im weiteren Verlauf.

Als erster Staat ist 2010 Portugal der Erd-Charta beigetreten.

Jugendliche aus verschiedenen Weltregionen haben die Erd-Charta -Jugendinitiative ins Leben gerufen, tauschen sich über das Internet über ihre Erfahrungen, Erfolge und Misserfolge in ihrem Engagement für eine bessere Zukunft aus und setzen sich in konkreten Projekten für die Umsetzung der Erd-Charta ein.

Die Erd-Charta ist als globaler Einigungsnenner entwickelt worden, der als erforderlich angesehen wird, damit Menschen und Völker in ökologisch intakter Natur in Gerechtigkeit und Frieden nachhaltig leben können.

Anders formuliert: Die Erd-Charta ist ein Schriftstück, in dem zusammengetragen ist, was für ganzheitlich nachhaltiges Leben auf der Erde für uns Menschen teils wünschenswerte, teils dringend notwendige Voraussetzungen sind (www.erdcharta.de ).

Sie wird weltweit von autonomen dezentralen EC-Gruppen und EC-Initiativen getragen, die in einem Dachverband vernetzt sind. Dort koordinieren diese Veranstaltungen und Strategieplanung.

Was finde ich an der Erdcharta so außerordentlich wertvoll, und weswegen hauptsächlich empfehle ich und lade ich ein, daß wir uns vom Regionalen Sozialforum Bautzen mit der Erdcharta öffentlich solidarisieren?

1. Die Erdcharta ist sorgfältig entwickelt worden – in einem 13jährigen Prozeß unter weltweiter Beteiligung von vielen bekannten Organisationen und Einzelpersonen.

2. Die Erdcharta ist mittlerweile schon einigermaßen bekannt. In Deutschland koordiniert die ÖIEW Ökumenische Initiative Eine Welt (Wurzeln in katholischer, evangelischer und christlichen Freikirchen) und der B.U.N.D. (Naturschutz) die hiesige Erdcharta-Initiative, beigetreten ist auch die Entwicklungsorganisation „Misereor“. Beigetretene Städte sind bisher München, Heidelberg und Warburg(Hessen).

EC-Initiativen gibt es mittlerweile in 34 Ländern in fast allen Erdteilen (außer Afrika).

3. Die Erdcharta beschränkt sich nicht auf Teilaspekte des menschlichen Lebens. Sie umfaßt alle Lebensbereiche – Naturschutz, Sozialleben, Menschenrechte, Ökonomie, politische Systeme, Frieden, Kultur und Spiritualität.

4. Bei dieser Umfassendheit ist sie in vielen Punkten treffend genug formuliert bezüglich der wesentlichen Kernpunkte, aber – nach langen intensiven Erwägungen – in Einzelheiten bewußt offen, damit auch sehr unterschiedliche Völker und Kulturen sich mit ihr solidarisieren können (Beispiel: Inuit – Fisch- und Fleischesser; indische Hindus – Vegetarier).

Bisher zusammenfassend gesagt: Die Erdcharta finde ich sehr geeignet als Dach für nahezu sämtliche Menschen, Gruppen und Organisationen, die sich mit den unterschiedlichsten Aspekten einer ganzheitlich nachhaltigen Lebenskultur befassen – von Vogelschützern über Gewerkschaftler, Christen und Andersgläubigen bis hin zu Menschenrechts- und Friedensaktiven.

Mit die größte Stärke finde ich an der Erdcharta, daß Verbreitung und Umsetzung in dezentraler Strategie und Verantwortung erfolgt.

Das Internationale Erdcharta-Sekretariat und das Internationale „Council“ verstehen sich als Koordinierungsstellen, nicht als herrschende und kontrollierende Instanzen.

In diesem Punkt sehe ich eine wesentliche Parallele mit der Sozialforumsbewegung, die in demselben Geist ins Leben gerufen worden ist.

 

Hier ist ein Auszug aus der deutschen Einführung, um den „Geist der Erd-Charta“ näher zu beschreiben:

Die Erd-Charta weicht von den gängigen Aufrufen zur Sanierung der desolaten Weltverhältnisse insofern ab, als sie eine inspirierende Vision für eine nachhaltige Weltentwicklung entfaltet.

Sie fordert nicht, sie lockt, sie kritisiert nicht nur, sie ermutigt dazu, die Selbstheilungskräfte in allen Kulturen zu entbinden, sich im Geist der Ehrfurcht füreinander zu öffnen, sowie Partnerschaft in allem Tun - politisch, gesellschaftlich, wirtschaftlich – walten zu lassen. Sie öffnet Wege, um über alle Religions- und Weltanschauungsgrenzen hinweg Frieden und Toleranz in unsere gesellschaftlichen Verhältnisse eintreten zu lassen!

Die Erd-Charta ist gerade auch in ihren praktischen Hinweisen, in denen es um Gerechtigkeit, Umwelt, Wirtschaft und Demokratie geht, ein überzeugendes Dokument der Ermutigung dazu, im Schatten der globalen Selbstzerstörung einen ganz anderen Weg zu wählen.“

 

Unterzeichnung der Erdcharta bedeutet Solidaritätserklärung mit den dort formulierten Werten und Zielen. Dies ist frei von finanzieller Verpflichtung. Das Ausmaß der Umsetzung der Punkte sowie Mitarbeit in Erdcharta-Gruppen und -Initiativen ist freigestellt und in die Eigenverantwortung übertragen.

Unterzeichnung heißt auch nicht, daß für realistisch gehalten wird, daß in absehbarer Zeit die Werte und Ziele erreicht werden, oder überhaupt jemals erreicht werden können – es bedeutet, daß die unterzeichnende Partei diese Ziele grundsätzlich für gut, wertvoll und erstrebenswert hält.

 

Im Anhang habe ich den Text der Erdcharta gestellt – Original sowie in Versionen für Jugendliche und für Kinder. Schließlich findet Ihr noch Links zu Bildungsmaterial und laufenden Initiativen in Deutschland.

Bei Fragen bin ich gerne für Sie/ Euch offen.

Ich wünsche Euch eine interessante und inspirierende Lektüre, und uns allen, unserer Gesellschaft und in Folge der Menschheit gute Früchte,

Links: www.erdcharta.de

www.earth-charter.org (kann in Überarbeitung sein)

für Schulen et c. http://erdcharta.de/erd-charta-materialien/didaktisches-material/

internationaler Dialog von Schülern über Internet :

http://erdcharta.de/aktuelles/?tx_ttnews[backPid]=95&tx_ttnews[tt_news]=327&cHash=691242f3d5d5aed462770db6aa3fd892

EC-Projektwoche 2014 gleichzeitig in 4 Warburger Schulen:

http://erdcharta.de/aktuelles/?tx_ttnews[pointer]=2&tx_ttnews[backPid]=95&tx_ttnews[tt_news]=180&cHash=cd68841ec0daf76034995ed0b2ebb3cc

Online-Plattform in Marburg für Bildungsmaterial und -angebote in BNE „Bildung für nachhaltige Entwicklung“

http://erdcharta.de/aktuelles/?tx_ttnews[backPid]=100&tx_ttnews[tt_news]=277&cHash=3e9468bab2bfe602f69d77d227eec76d

Marburger Initiativen unter dem Dach der Erdcharta – Heft als pdf (schön beispielhaft)

http://erdcharta.de/fileadmin/Materialien/Zeitschriften/Andere_Publikationen/20150305_EC_Stadt_im_Wandel_Broschu%CC%88re_Mailversion.pdf

 

Die Erd-Charta (gesamter Original-Text)

 

Präambel

Wir stehen an einem kritischen Punkt der Erdgeschichte, an dem die Menschheit den Weg in ihre Zukunft wählen muss. Da die Welt zunehmend miteinander verflochten ist und ökologisch zerbrechlicher wird, birgt die Zukunft gleichzeitig große Gefahren und große Chancen. Wollen wir vorankommen, müssen wir anerkennen, dass wir trotz und gerade in der großartigen Viel­falt von Kulturen und Lebensformen eine einzige menschliche Familie sind, eine globale Ge­meinschaft mit einem gemeinsamen Schicksal. Wir müssen uns zusammentun, um eine nachhaltige Weltgesellschaft zu schaffen, die sich auf Achtung gegenüber der Natur, die all­gemeinen Menschenrechte, wirtschaftliche Gerechtigkeit und eine Kultur des Friedens grün­det. Auf dem Weg dorthin ist es unabdingbar, dass wir, die Völker der Erde, Verant­wortung übernehmen füreinander, für die größere Gemeinschaft allen Lebens und für zukünf­tige Ge­nerationen.

 

Die Erde, unsere Heimat

Die Menschheit ist Teil eines sich ständig fortentwickelnden Universums. Unsere Heimat Erde bietet Lebensraum für eine einzigartige und vielfältige Gemeinschaft von Lebewesen. Natur­gewalten machen das Dasein zu einem herausfordernden und ungewissen Ereignis, doch die Erde bietet gleichzeitig alle wesentlichen Voraussetzungen für die Entwicklung des Lebens. Die Selbstheilungskräfte der Gemeinschaft allen Lebens und das Wohlergehen der Mensch­heit hängen davon ab, ob es uns gelingt, eine gesunde Biosphäre zu bewahren mit all ihren ökologischen Systemen, dem Artenreichtum ihrer Pflanzen und Tiere, fruchtbaren Böden, reinen Gewässern und sauberer Luft. Die globale Umwelt mit ihren endlichen Ressourcen ist der gemeinsamen Sorge aller Völker anvertraut. Die Lebensfähigkeit, Vielfalt und Schönheit der Erde zu schützen, ist eine heilige Pflicht.

 

Die globale Situation

Die vorherrschenden Muster von Konsum und Produktion verursachen Verwüstungen der Umwelt, Raubau an den Ressourcen und ein massives Artensterben. Sie untergraben unsere Gemeinwesen. Die Erträge der wirtschaftlichen Entwicklung werden nicht gerecht verteilt und die Kluft zwischen Reichen und Armen vertieft sich. Ungerechtigkeit, Armut, Unwissenheit und gewalttätige Konflikte sind weit verbreitet und verursachen große Leiden. Ein beispiel­loses Bevölkerungswachstum hat die ökologischen und sozialen Systeme überlastet. Die Grundlagen globaler Sicherheit sind bedroht. Dies sind gefährliche Entwicklungen, aber sie sind nicht unabwendbar.

 

Die Herausforderungen

Wir haben die Wahl: Entweder bilden wir eine globale Partnerschaft, um für die Erde und füreinander zu sorgen, oder wir riskieren, uns selbst und die Vielfalt des Lebens zugrunde zu richten. Notwendig sind grundlegende Änderungen unserer Werte, Institutionen und Lebens­weise. Wir müssen uns klar machen: sind die Grundbedürfnisse erst einmal befriedigt, dann bedeutet menschliche Entwicklung vorrangig „ mehr Sein“ und nicht „mehr Haben“. Wir verfügen über das Wissen und die Technik, alle zu versorgen und schädliche Eingriffe in die Umwelt zu vermindern. Das Entstehen einer weltweiten Zivilgesellschaft schafft neue Mög­lichkeiten, eine demokratische und humane Weltordnung aufzubauen. Unsere ökologischen, sozialen und spirituellen Herausforderungen sind miteinander verknüpft, und nur zusammen können wir umfassende Lösungen entwickeln.

 

Weltweite Verantwortung

Um diese Wünsche zu verwirklichen, müssen wir uns entschließen, in weltweiter Verantwor­tung zu leben und uns mit der ganzen Weltgemeinschaft genauso zu identifizieren wie mit unseren Gemeinschaften vor Ort. Wir sind zugleich Bürgerinnen und Bürger verschiedener Nationen und der Einen Welt, in der Lokales und Globales miteinander verknüpft ist. Jeder Mensch ist mitverantwortlich für das gegenwärtige und zukünftige Wohlergehen der Mensch­heitsfamilie und für das Leben auf der Erde. Der Geist menschlicher Solidarität und die Einsicht in die Verwandtschaft alles Lebendigen werden gestärkt, wenn wir in Ehrfurcht vor dem Geheimnis des Seins, in Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens und in Beschei­denheit hinsichtlich des Platzes der Menschen in der Natur leben.

Für das ethische Fundament der entstehenden Weltgemeinschaft brauchen wir dringend eine gemeinsame Vision von Grundwerten. Darum formulieren wir in gemeinsamer Hoffnung die folgenden eng zusammenhängenden Grundsätze für einen nachhaltigen Lebensstil. Es sind Leitlinien für das Verhalten jedes Einzelnen, von Organisationen, Unternehmen, Regierungen und übernationalen Einrichtungen.

 

Grundsätze

I. Achtung vor dem Leben und Sorge für die Gemeinschaft des Lebens

1. Achtung haben vor der Erde und dem Leben in seiner ganzen Vielfalt.

a. Erkennen, dass alles, was ist, voneinander abhängig ist und alles, was lebt, einen Wert in sich hat, unabhängig von seinem Nutzwert für die Menschen.

b. Das Vertrauen bekräftigen in die unveräußerliche Würde eines jeden Menschen und in die intellektuellen, künstlerischen, ethischen und spirituellen Fähigkeiten der Menschheit.

 

2. Für die Gemeinschaft des Lebens in Verständnis, Mitgefühl und Liebe sorgen.

a. Anerkennen, dass mit dem Recht auf Aneignung, Verwaltung und Gebrauch der natür­lichen Ressourcen die Pflicht verbunden ist, Umweltschäden zu vermeiden und die Rechte der Menschen zu schützen.

b. Bekräftigen, dass mit mehr Freiheit, Wissen und Macht auch die Verantwortung für die För­derung des Gemeinwohls wächst.

 

3. Gerechte, partizipatorische, nachhaltige und friedliche demokratische Gesellschaf­ten aufbauen.

a. Sicherstellen, dass die Menschenrechte und Grundfreiheiten überall gewährleistet werden und jeder Mensch die Chance bekommt, seine Begabungen voll zu entfalten.

b. Soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit fördern, die es allen ermöglicht, ein materiell gesichertes und erfülltes Leben zu führen, ohne dabei ökologische Grenzen zu verletzen.

 

4. Die Fülle und Schönheit der Erde für heutige und zukünftige Generationen sichern.

a. Erkennen, dass die Handlungsfreiheit jeder Generation durch die Bedürfnisse zukünftiger Generationen begrenzt ist.

b. Künftigen Generationen Werte, Traditionen und Institutionen weitergeben, die ein langfristi­ges Gedeihen der Erde und der Menschheit fördern.

Um diese vier weitreichenden Selbstverpflichtungen zu erfüllen, ist Fol­gendes notwendig:

 

II. Ökologische Ganzheit

5. Die Ganzheit der Ökosysteme der Erde schützen und wiederherstellen, vor allem die biologische Vielfalt und die natürlichen Prozesse, die das Leben erhalten.

a. Auf allen Ebenen Pläne und regeln für eine nachhaltige Entwicklung annehmen, damit Schutz und Wiederherstellung der Umwelt integraler Bestandteil aller Entwicklungsinitiativen werden.

b. Den Bestand und die Neueinrichtung von Naturschutzgebieten und Biosphären-Reservaten fördern, auch von Wildnisgebieten und geschützten Ozeanen, um die Lebensgrundlagen der Erde zu schützen, biologische Vielfalt zu erhalten und unser Naturerbe zu bewahren.

c. Die Erholung gefährdeter Artenbestände und Ökosysteme fördern.

d. Standortfremde oder genetisch manipulierte Organismen kontrollieren und entfernen, wenn sie einheimischen Arten oder der Umwelt schaden; die Ansiedlung derartiger schädlicher Or­ganismen verhindern.

e. Erneuerbare Ressourcen wie Wasser, Boden, Wald, Lebewesen der Meere so sorgsam nutzen, dass die Erneuerungsraten nicht überschritten werden und die ökologischen Systeme stabil bleiben.

f. Nicht erneuerbare Ressourcen wie Mineralien und fossile Brennstoffe so fördern und ver­brauchen, dass sie nur langsam erschöpft werden und dabei keine ernsthaften Umwelt­schäden entstehen.

 

6. Schäden vermeiden, bevor sie entstehen, ist die beste Umweltschutzpolitik. Bei be­grenztem Wissen gilt es, das Vorsorgeprinzip anzuwenden.

a. Aktiv werden, um die Möglichkeit schwerer oder gar irreversibler Umweltschäden zu ver­hindern, auch wo wissenschaftliche Kenntnisse fehlen oder keine abschließende Risiko­analyse zulassen.

b. Die Beweislast denen auferlegen, die behaupten, ein beabsichtigter Eingriff verursache kei­ne signifikanten Schäden. Die Verursacher von Umweltschäden sind als Verantwortliche haft­bar zu machen.

c. Sicherstellen, dass vor allen Entscheidungen die kumulativen, langfristigen, indirekten, weiträumigen und globalen Folgen menschlichen Handelns gründlich erwogen werden.

d. Jede Art von Umweltverschmutzung verhindern und keine Anreicherung von radioaktiven, giftigen oder anderen gefährlichen Stoffen hinnehmen.

e. Alle militärischen Aktivitäten, die die Umwelt schädigen, vermeiden.

 

7. Produktion, Konsum und Reproduktion so gestalten, dass sie die Erneuerungskräfte der Erde, die Menschenrechte und das Gemeinwohl sichern.

a. Bei Produktion und Konsum Materialverbrauch reduzieren, Mehrwegsysteme und Re­cycling bevorzugen und sicherstellen, dass Restabfälle vom ökologischen System unbe­schadet aufgenommen werden können.

b. Energie sparsam und effizient nutzen und sich zunehmend auf erneuerbare Energiequellen wie Sonne und Wind stützen.

c. Die Entwicklung, Anwendung und gerechte globale Verbreitung umweltschonender Techni­ken fördern.

d. Die vollen ökologischen und sozialen Kosten von Gütern und Dienstleistungen in den Ver­kaufspreis einbeziehen. Den Verbrauchern dadurch ermöglichen, die Produkte mit den höch­sten ökologischen und sozialen Standards zu erkennen.

e. Allen Menschen Zugang zu einem Gesundheitswesen sichern, das gesunde und verant­wortliche Fortpflanzung fördert.

f. Einen Lebensstil praktizieren, der die Lebensqualität und materielle Suffizienz in einer be­grenzten Welt betont.

 

8. Das Studium ökologischer Nachhaltigkeit vorantreiben und den offenen Austausch der erworbenen Erkenntnisse und deren weltweite Anwendung fördern.

a. Die internationale wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit zu nachhaltiger Entwicklung unterstützen und dabei die Bedürfnisse der Entwicklungsländer besonders be­rücksichtigen.

b. Das überlieferte Wissen und die spirituelle Weisheit aller Kulturen, die zu Umweltschutz und menschlichem Wohlergehen beitragen, anerkennen und bewahren.

c. Sicherstellen, dass alle Informationen, die wesentlich und wichtig für die menschliche Ge­sundheit und den Umweltschutz sind, öffentlich verfügbar bleiben, auch die genetischen Infor­mationen.

 

III. Soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit

9. Armut beseitigen als ethisches, soziales und ökologisches Gebot.

a. Das Recht aller Menschen auf Trinkwasser, saubere Luft, ausreichende und sichere Er­nährung, unvergiftete Böden, Obdach und sichere sanitäre Einrichtungen garantieren und die Bereitstellung der dafür erforderlichen nationalen und internationalen Ressourcen sicher­stellen.

b. Allen Menschen den Zugang zu Bildung und den Ressourcen für einen nachhaltigen Le­bensunterhalt verschaffen. Für Menschen, die ihren Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten können, ein Netz sozialer Sicherung bereithalten.

c. Die Unbeachteten achten, die Verwundbaren schützen, den Leidenden dienen und ihnen ermöglichen, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und ihre Ziele zu verfolgen.

 

10. Sicherstellen, dass wirtschaftliche Tätigkeiten und Einrichtungen auf allen Ebenen die gerechte und nachhaltige Entwicklung voranbringen.

a. Die gerechte Verteilung von Reichtum innerhalb und zwischen den Nationen fördern.

b. Die intellektuellen, finanziellen, technischen und sozialen Ressourcen der Entwicklungs­länder steigern und sie von drückender Schuldenlast befreien.

c. Sicherstellen, dass der gesamte Handel zum nachhaltigen Gebrauch der Ressourcen, zum Umweltschutz und zu fortschrittlichen Arbeitsbedingungen beiträgt.

d. Von multinationalen Unternehmen und internationalen Finanzorganisationen verlangen, transparent im Sinne des Gemeinwohls zu handeln, und sie gleichzeitig für die Folgen ihres Handelns verantwortlich machen.

 

11. Die Gleichberechtigung der Geschlechter als Voraussetzung für nachhaltige Ent­wicklung bejahen und den universellen Zugang zu Bildung, Gesundheitswesen und Wirtschaftsmöglichkeiten gewährleisten.

a. Die Menschenrechte von Frauen und Mädchen sichern und jede Gewalt gegen sie been­den.

b. Die aktive Teilhabe der Frauen an allen Bereichen des wirtschaftlichen, politischen, gesell­schaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens als gleichberechtigte Partnerinnen, Entschei­dungsträgerinnen und Führungskräfte fördern.

c. Familien stärken und die Sicherheit und liebevolle Entfaltung aller Familienmitglieder ge­währleisten.

 

12. Am Recht aller – ohne Ausnahme – auf eine natürliche und soziale Umwelt festhalten, welche Menschenwürde, körperliche Gesundheit und spirituelles Wohler­gehen unterstützt. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den Rechten von indigenen Völkern und Minderheiten.

a. Jede Art von Diskriminierung unterbinden, sei es aufgrund von Rasse, Hautfarbe, Ge­schlecht, sexueller Orientierung, Religion, Sprache, sozialer Herkunft, nationaler oder ethi­scher Zugehörigkeit.

b. Das Recht indigener Völker auf eigene Spiritualität, Kenntnisse, Ländereien und Ressour­cen und ihren damit verbundenen nachhaltigen Lebensunterhalt bestätigen.

c. Die jungen Menschen in unseren Gemeinschaften achten und unterstützen, damit sie ihre unverzichtbare Rolle beim Aufbau nachhaltiger Gesellschaften erfüllen können.

d. Stätten von herausragender kultureller und spiritueller Bedeutung schützen und wiederher­stellen.

 

IV. Demokratie, Gewaltfreiheit und Frieden

13. Demokratische Einrichtungen auf allen Ebenen stärken, für Transparenz und Rechenschaftspflicht bei der Ausübung von Macht sorgen, einschließlich Mit­bestimmung und rechtlichem Gehör

a. Am Recht eines jeden Menschen auf klare und rechtzeitige Information in Umweltbelangen und allen Entwicklungsplänen und -tätigkeiten, die ihn berühren können oder an denen er interessiert ist, festhalten.

b. Die lokale, regionale und globale Zivilgesellschaft unterstützen und die sinnvolle Mitwirkung aller interessierten Personen und Institutionen bei der Entscheidungsfindung fördern.

c. Das Recht auf Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Organisations­freiheit und die Freiheit, abweichende Meinungen zu vertreten, schützen.

d. Effektiven und effizienten Zugang zu Verwaltungsverfahren und unabhängigen Gerichts­verfahren vorsehen, die drohende oder tatsächliche Umweltschäden unterbinden und wieder­gutmachen.

e. Korruption in allen öffentlichen und privaten Einrichtungen bekämpfen.

f. Lokale Gemeinschaften stärken und ihnen ermöglichen, ihre Umwelt zu schützen. Die Ver­antwortung für den Umweltschutz auf die Verwaltungsebenen übertragen, auf denen sie am effektivsten wahrgenommen werden kann.

 

14. In die formale Bildung und das lebenslange Lernen das Wissen, die Werte und Fähigkeiten integrieren, die für eine nachhaltige Lebensweise nötig sind.

a. Für alle, insbesondere für Kinder und Jugendliche, Bildungsmöglichkeiten bereitstellen, die sie zur Mitarbeit an nachhaltiger Entwicklung befähigen.

b. Das Mitwirken von Kunst und Kultur sowie der Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften bei der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung fördern.

c. Die Funktion der Massenmedien stärken, Bewusstsein für die bevorstehenden ökologi­schen und sozialen Herausforderungen zu wecken.

d. Die Bedeutung der moralischen und spirituellen Bildung für einen nachhaltigen Lebensstil anerkennen.

 

15. Alle Lebewesen rücksichtsvoll und mit Achtung behandeln.

a. Tiere, die von Menschen gehalten werden, vor Grausamkeit und Leiden schützen.

b. Frei lebende Tiere vor solchen Methoden der Jagd, Fallenstellerei und des Fischfangs schützen, die extremes, unnötig langes oder vermeidbares Leiden verursachen.

c. Beifang oder Töten von nicht gewünschten Spezies vermeiden oder weitest möglich be­enden.

 

16. Eine Kultur der Toleranz, der Gewaltlosigkeit und des Friedens fördern.

a. Zu gegenseitigem Verstehen, zu Solidarität und Zusammenarbeit unter allen Völkern und zwischen den Nationen ermutigen und dies unterstützen.

b. Umfassende Strategien zur Vermeidung gewaltsamer Konflikte umsetzen und kollektive Wege zur Problembewältigung nutzen, um ökologische und andere Konflikte anzugehen und zu lösen.

c. Nationale Sicherheitssysteme auf ein nicht bedrohliches Verteidigungsniveau abrüsten und die Umwandlung militärischer Einrichtungen für friedliche Zwecke, einschließlich ökologischer Wiederherstellung, fördern.

d. Nukleare, biologische und chemische Waffen sowie andere Massenvernichtungswaffen vollständig beseitigen.

e. Sicherstellen, dass die Nutzung des erdnahen und auch des übrigen Weltraumes Umwelt­schutz und Frieden fördern.

f. Anerkennen, dass Frieden die Gesamtheit dessen ist, das geschaffen wird durch rechte Be­ziehungen zu sich selbst, zu anderen Personen, anderen Kulturen, anderen Lebewesen, der Erde und dem größeren Ganzen, zu dem alles gehört.

 

 

Der Weg, der vor uns liegt

 

Wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit fordert uns unser Gemeinsames Schicksal dazu auf, einen neuen Anfang zu wagen. Die Grundsätze der Erd-Charta versprechen die notwendige Erneuerung. Um dieses Versprechen zu erfüllen, müssen wir uns selbst ver­pflichten, uns die werte und Ziele der Charta zu eigen zu machen und diese zu fördern.

Das erfordert einen Wandel in unserem Bewusstsein und in unseren Herzen. Es geht darum, weltweite gegenseitige Abhängigkeit und universale Verantwortung neu zu begreifen. Wir müssen die Vision eines nachhaltigen Lebensstils mit viel Fantasie entwickeln und anwen­den, und zwar auf lokaler, regionaler und globaler Ebene. Unsere kulturelle Vielfalt ist ein unschätzbares Erbe und die verschiedenen Kulturen werden auf eigenen, unterschiedlichen Wegen diese Vision verwirklichen. Wir müssen den globalen Dialog, aus dem die Erd-Charta entstanden ist, vertiefen und ausdehnen; denn wir können bei der andauernden gemein­samen Suche nach Wahrheit und Weisheit viel voneinander lernen.

Leben beinhaltet häufig Widersprüche zwischen wichtigen Werten. Das kann schwierige Ent­scheidungen bedeuten. Aber wir müssen Wege finden, um Vielfalt mit Einsicht zu versöhnen, Freiheit mit Gemeinwohl und kurzfristige Anliegen mit langfristigen Zielen. Jeder Einzelne, jede Familie, Organisation oder Gemeinschaften haben eine wichtige Rolle zu spielen. Kunst und Kultur, Wissenschaften, Religionen, Bildungseinrichtungen, Medien, Wirtschaft, Nichtre­gierungsorganisationen und Regierungen sind alle aufgerufen, bei diesem Prozess kreativ voranzugehen. Eine Partnerschaft von Regierungen, Zivilgesellschaft und Wirtschaft ist unab­dingbar für eine wirkungsvolle Lenkung und Gestaltung unserer Geschicke.

 

Um eine nachhaltige globale Gemeinschaft aufzubauen, müssen die Nationen der Welt ihre Bindung an die UNO erneuern, ihre Verpflichtungen aufgrund bestehender internationaler Übereinkommen erfüllen, und die Umsetzung der Erd-Charta-Grundsätze mit einem interna­tionalen, rechtlich verbindlichen Instrument für Umwelt und Entwicklung annehmen.

Lasst uns unsere Zeit so gestalten, dass man sich an sie erinnern wird

Als eine Zeit, in der eine neue Ehrfurcht vor dem Leben erwachte,

als eine Zeit, in der nachhaltige Entwicklung entschlossen auf den Weg gebracht wurde,

als eine Zeit, in der das Streben nach Gerechtigkeit und Frieden neuen Auftrieb bekam und

als eine Zeit der freudigen Feier des Lebens.